Was sagen Experten zum Thema Social Media? Um Antworten zu finden, nehme ich in regelmäßigem Abstand Kontakt zu Menschen auf, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen.
Diesmal ist mein Gesprächspartner Curt Simon Harlinghausen. Der Geschäftsführer von AKOM 360, eine Multi Channel Agentur für kreatives Wettbewerbsmanagement, ist einer der führenden deutschen Social Media-Experten. Der 38-jährige kreative Querdenker hat nicht nur Mark Zuckerberg schon persönlich getroffen, auch ich durfte den gebürtigen Österreicher beim letzten GenoBarcamp bei der DZ Bank kennenlernen, bei dem Curt Simon Harlinghausen die Keynote gehalten hat.
Sie haben auf Facebook 1.353 Freunde. Wie gut sind diese Freundschaften?
Von diesen Freunden kenne ich vier nicht persönlich. Ich würde sagen, zehn bis fünfzehn Prozent würde ich wirklich als enge Freunde bezeichnen. Grundsätzlich ist es schon so, dass man wesentlich leichter auf Social Media-Kanälen eine „Freundschaftsbeziehung“ eingeht als im realen Leben, weil man mit dieser Beziehung wesentlich freier umgehen kann. Man kann „Freundschaften“ einfacher wieder lösen, und sie genau kontrollieren, in dem man einstellt, zu welchen Informationen man diesen „Freunden“ Zugang gewährt. Wenn Unternehmen in Fans oder Freunden rechnen, ist die Wertigkeit natürlich zum echten Leben nicht vergleichbar. Wenn man sich mit Freunden trifft und sich persönlich austauscht, ist das nicht dasselbe wie wenn man einen Post oder einen Kommentar schreibt. Aber aus virtuellen Freunden können sich auch echte Freundschaften entwickeln.
Das Smartphone bekommt eine immer größere Bedeutung. Ersetzen mobile Endgeräte irgendwann die eigene Mobilität?
Der Mensch ist zur Bewegung und zur Mobilität geboren. Das ist die Grundvoraussetzung. In dem Moment, in dem der Mensch nicht mehr mobil ist, wird er krank werden. Im Laufe der Evolution hat sich gezeigt, dass der Mensch die Mobilität braucht, um gesund zu bleiben. Es wird also in Zukunft noch viel mehr darauf Wert gelegt werden müssen, dass die Menschen ihre eigene Mobilität wahren. Natürlich hilft das Smartphone faulen Menschen ihre Faulheit auch entsprechend auszuleben. Aber ich finde, dass Mobilität als wichtiges Gut gefördert werden muss. Genauso wie Freiheit oder Meinungsfreiheit.
Gibt es Grenzen? Kann ein Dialog zwischen Unternehmen und Kunde auf Social Media-Kanälen beispielsweise die gleiche Intensität haben, wie der persönliche Kontakt?
Ja, dieser Dialog kann den gleichen Wert wie der persönliche Kontakt haben. Wenn man jetzt die Beziehung zwischen Marke, Produkt und Kunde sieht, ist der reale Kontakt am Point of Sale meistens relativ flüchtig und kurz. Das heißt, diesen Kontakt oder diese Beziehung kann ich in den sozialen Medien länger und intensiver führen, als ich dies beispielsweise im Geschäft tun könnte. Klar hängt das auch vom Produkt und der Warengruppe ab, aber letztendlich bin ich in der Lage, über Social Media Kanäle eine langfristige Beziehung zum Kunden aufzubauen. Das funktioniert beispielsweise auch bei Banken, Bausparkassen und Versicherungen. Das hängt immer davon ab, wie man die Beziehungen pflegt, welche Mehrwerte man bietet, und wie viel Vertrauen man aufbaut. Das wird in Zukunft noch eine stärkere Bedeutung bekommen.
Wie erklären Sie Menschen, die keinen Bezug zu Social Media haben oder Angst davor haben, zu viele persönliche Daten freizugeben, dass diese Art der Kommunikation die Zukunft ist?
Dadurch, dass das Leben immer digitaler und transparenter wird, und dass wir Spuren hinterlassen, wenn wir uns in den digitalen Medien bewegen, werden wir automatisch Informationen freigeben. Ob wir wollen, oder nicht. Entweder kollabiert das in die Richtung, dass man keine Informationen mehr zur Verfügung stellt und es entsteht so etwas wie totale Anonymität, oder es wird immer offener und transparenter werden. Dadurch entstehen natürlich auch Erwartungshaltungen des Nutzers. Er wird sagen, wenn ich schon alle meine Daten zur Verfügung stelle, möchte ich auch einen Mehrwert haben. Ich möchte individuell und gezielt an Informationen kommen, die auch wirklich relevant für mich sind. Ich denke, dass die Menschen, die Angst davor haben, einem natürlichen Prozess folgen, weil sie nicht wissen, was mit ihren Daten passiert. Aber irgendwann werden sie auch feststellen, dass diese Kommunikation Mehrwerte bietet.
Am Ende benötigt dieses Medium die Zeit, die Autos, das Fernsehen oder das Handy auch brauchten, um sich zu etablieren, nur dass die Welt sich im digitalen Universum schneller dreht. Die meisten Menschen nutzen Social Media auch schon unbewusst, wie zum Beispiel in dem Sie Blogs lesen oder auf Youtube Videos ansehen, Bewertungen auf Amazon oder Google als hilfreich erachten. Somit ist der erste Schritt oftmals unbewusst schon getan. Mein Rezept ist den Menschen zu zeigen, was alles durch die sozialen Medien einen Mehrwert bekommt und welche Facetten diese Art der Kommunikation bietet.
Sie haben jetzt 140-Twitter-Zeichen: Was ist für Sie die große Faszination von Social Media?
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