Alles gut bedacht beim Dachausbau

Moderne Bautechnik erlaubt eine Wohnqualität unter der Schräge, wie sie früher undenkbar war. Voraussetzung: Beim Dachausbau wird alles sorgfältig geplant.


Grundvoraussetzung für einen gelungenen Dachausbau: eine gute Planung

Der Fortschritt, den die Bautechnik in den vergangenen Jahrzehnten gemacht hat, ist in kaum einem Bauteil unserer Häuser stärker zu spüren als unterm Dach. Im Winter war es kalt, im Sommer überhitzt, zugig das ganze Jahr über. Heute dagegen ist es technisch kein Problem, den höchsten Raum des Hauses mit einem Dachausbau zu dessen Prunkstück zu machen - üppig verglast, edel gestaltet und zugleich mit angenehmem Wohnklima. Eine "Tellerwäscherkarriere" nennt der Autor Johannes Kottjé diese Entwicklung und untermauert das in seinem Buch "Neue Dachausbauten" mit eindrucksvollen Beispielen (DVA, 144 Seiten, 49,90 Euro).

Die Voraussetzung für einen gelungenen Dachausbau ist allerdings eine gute Planung. Deshalb rät der Architekt Rainer Thiemann, ein Spezialist für den Dachausbau : "Ganz ohne Fachleute sollten sich selbst versierte Selbermacher nicht an einen Dachausbau wagen. Ob Sie eine Baugenehmigung brauchen, ob die Statik stimmt, wie die Installationen geführt werden sollen - all das sollte ein Fachmann zumindest überprüfen, besser noch planen."

Dachbodenausbau: Gute Planung schafft Platz
Beim Dachausbau alles sorgfältig planen

Checkliste Dachausbau

  • Dachausbau-Check I: Die Dachdeckung

    Bevor der Dachausbau losgeht, muss die schützende Hülle des Hauses auf Vordermann gebracht werden. Von allen Bauteilen ist das Dach am stärksten Witterung und Umwelteinflüssen ausgesetzt. Damit es diese Belastungen übersteht, muss es von erfahrenen Fachleuten erstellt und repariert werden: Auf dem Dach haben Heimwerker nichts zu suchen.

    Ist die Frage nach dem Material geklärt geht es um die Farbe. Immer mehr Bauherren entscheiden sich beim Dachausbau für eine Alternative zum klassischen Ziegelrot oder zum matten Schwarz. Glasierte oder eingefärbte Dachsteine aus Ton oder Beton sind keine Seltenheit mehr. Doch aufgepasst: In vielen Kommunen schränken Bauordnungen und Bebauungspläne die Möglichkeiten bei der Form-, Farb- und Materialwahl ein. Wer durch den Dachausbau seinem Haus ein neues Outfit spendieren möchte, sollte also lieber vorher im Amt nachfragen, ob er sich damit Probleme schafft.

    Und auch das ist wichtig: Da ein fachgerecht gedecktes Dach 50 Jahre und länger das Erscheinungsbild eines Hauses prägt, sind klassische Formen und gedeckte Farben allzu modischen Varianten vorzuziehen. Sonst kann auch der Wiederverkaufswert eines Hauses durch den Dachausbau leiden.

     
  • Dachausbau-Check II: Die Wärmedämmung

    Wärme steigt bekanntlich nach oben. Deshalb muss gerade ein Dachausbau die strengen Richtlinien des zulässigen Wärmebedarfs für Neubauten erfüllen, also dem Niedrigenergiehaus-Standard entsprechen. Das wird vom Bauamt in aller Regel nicht geprüft, aber den Standard einzuhalten, lohnt sich trotzdem. Denn die Dachdämmung verhindert, dass im Winter die Heizungswärme entweicht, und sie garantiert, dass auch bei Minusgraden die Energiekosten gering bleiben. Im Sommer hilft sie gegen Überhitzung.

    Eine gute Dämmung muss aber nicht nur ausgleichend auf die Raumtemperatur wirken, ebenso wichtig ist der Schutz vor Feuchtigkeit und Zugluft. Von außen darf kein Schnee oder Regen, von innen kein Wasserdampf ins Gebälk und in die Dämmung eindringen.

    Deswegen kommt es auf Sorgfalt an. Vor allem die Luftdichtigkeit aller Bauteile ist eine Grundanforderung an einen energiesparenden Dachausbau . Denn undichte Stellen bei leichten Konstruktionen wie Dächern können einen Teil der Dämmung wirkungslos machen. Die Schwachstellen sind offene Fugen an Kabeln oder Rohren sowie entlang angrenzender Bauteile. Pfeift es durch die Ritzen, kann es sogar sein, dass die Leistung der Heizung für die Dachräume nicht ausreicht. So simpel es also scheint, einen Speicher beim Dachausbau mit ein paar Rollen Mineralwolle, Gipsfaserplatten und Muskelkraft in einen behaglichen Wohnraum zu verwandeln, so kompliziert kann es im Detail sein. Allein schon die richtige Wahl der Wärmedämmung ihres Aufbaus und ihrer Stärke ist eigentlich eine Aufgabe für jemanden, der etwas von Bauphysik und Dachausbau versteht - in der Regel also für einen Architekten oder Bauingenieur.

    Generell gilt: Am wirkungsvollsten ist eine so genannte Aufsparrendämmung, bei der die Dämmschicht zwischen den Dachsparren und den Dachziegeln liegt. Sie ist allerdings eine teure Variante, die sich nur lohnt, wenn beim Dachausbau das Dach ohnehin gedeckt werden muss. Da die Arbeit überdies direkt auf dem Dach ausgeführt werden muss, ist sie für Heimwerker tabu. Üblicher ist denn auch die "Zwischensparrendämmung", bei der Dämmkeile zwischen den Dachsparren montiert werden - eine Arbeit, die sich die meisten Heimwerker durchaus zutrauen. Aber Vorsicht: Wird nicht sorgfältig gearbeitet, entstehen Wärmebrücken, an denen die Dämmschicht durchfeuchten kann. Ebenso wichtig: die Dampfsperre, die ein Eindringen der Luftfeuchtigkeit aus dem Dachraum in die Dämmschicht verhindert.

    In den vergangenen Jahren haben Dämmstoffe aus Recycling-Material wie Altpapier oder aus nachwachsenden Rohstoffen wie Flachs, Hanf, Kork und Schafwolle ihre Wirksamkeit bewiesen. Vor allem in der Feuchteregulierung liegen - wie auch in der Dämmwirkung - ihre Stärken, so dass sie für ein angenehmes Raumklima sorgen. Ihr Nachteil: der im Vergleich zu herkömmlichen Dämmstoffen zum Teil deutlich höhere Preis. Auch eignen sich nicht alle Öko-Materialien zum Selbsteinbau.

     
  • Dachausbau-Check III: Die Fenster

    Ist die Hülle dicht und warm, muss Licht hinein. Das schreibt sogar der Gesetzgeber vor. Die meisten Landesbauordnungen legen fest, dass als Fensterfläche mindestens 12,5 Prozent der Raumgrundfläche vorhanden sein müssen (wobei nur Flächen bis 1,50 Meter Höhe zählen). Allerdings wird der Bauherr schon im eigenen Interesse beim Dachausbau für eine ausreichende Belichtung sorgen. Nur wie? Dachfenster gibt es schließlich in allen nur denkbaren Versionen. Zum Schwingen, Klappen, Schieben und Ziehen, als Einzelfenster, zu mehreren nebeneinander, als Überfirstverglasung, mit Verglasung des Kniestocks und sogar zum Ausklappen des unteren Teils als eine Art Minibalkon. Welches nehmen? Auch hier verhilft wieder guter Rat vom Fachmann für Dachausbau zu mehr Wohnqualität.

    Am einfachsten einzubauen und damit am preiswertesten sind Dachflächenfenster. Im Vergleich zu Gauben liegt die Lichtausbeute bei Dachfenstern bis zu 50 Prozent höher. Werden Dachflächenfenster beim Dachausbau aber nach Süden oder Südwesten ausgerichtet, kann die Sonne vor allem bei flacher Dachneigung das Dachgeschoss kräftig aufheizen. Ohne eine Verschattung, am besten außen montiert, geht es also nicht.

    Fenster in Gauben dagegen lassen zwar weniger Licht in den Raum, aber sie haben einen anderen Vorteil: Sie sorgen für eine Vergrößerung der Wohnfläche, sind also vor allem für kleine Räume die beste Wahl für den Dachausbau . Insbesondere bei flachen Dachneigungen beziehungsweise einem sehr niedrigen Kniestock eignen sie sich bestens. Zwar sind Gauben teurer und genehmigungspflichtig, dafür ergibt sich aber durch den Anbau die volle Stehhöhe und damit ein echter Raumgewinn. Bei der Wahl der Gaube bietet sich dem Dachbewohner eine große Auswahl an verschiedensten Konstruktionen; jedoch sollten die Proportionen mit dem Dach und dem Baukörper insgesamt übereinstimmen. Besonders großzügig wirken große Giebelfenster. Mit ihnen den Dachraum zu verschönern ist freilich die teuerste Dachausbau -Variante. Vorteil bei großem Dachüberstand: Im Winter kann die tief stehende Sonne den Raum heizen, im Sommer schützt der Überstand vor Überhitzung.

     
  • Dachausbau-Check IV: Die Verschattung

    Die hohe Sonneneinstrahlung - im Bundesdurchschnitt jährlich immerhin 1.050 Kilowattstunden Sonnenenergie pro Quadratmeter - macht Dachräume zu Backöfen, wird die Sonne nicht mit Hilfe von Rollos, Jalousien oder Faltstores ausgesperrt. Ebenfalls ein wichtiger Punkt beim Dachausbau . Große Hersteller wie Velux oder Roto bieten die verschiedensten Arten der Verschattung gleich passend zum Fenster mit an.

    Welche Variante beim entsprechenden Dachausbau die beste ist, hängt von der Nutzung des Raumes und von individuellen Wünschen ab. Für Schlaf- und Kinderzimmer empfehlen sich Verdunkelungsrollos, denn sie sind lichtdicht und sperren auch am Mittag die Sonne wirkungsvoll aus. Durchscheinende Rollos dagegen leuchten je nach Intensität des Tageslichtes verschieden stark in ihrer Farbe und tönen so Wohn- und Arbeitsräume sanft. Das plissierte Gewebe von Faltstores sorgt für ein besonders gleichmäßiges, stimmungsvolles Licht. Jalousien hingegen brechen das Licht und werfen interessante Muster auf die Wand. Ihr Vorteil: Durch die beweglichen Lamellen können Richtung und Menge der Lichtstrahlen sehr gezielt gesteuert werden.

    Am besten lässt sich die Sonne aussperren, wenn die Verschattung außen angebracht ist. Dazu eignen sich Markisen, die meist aus einem mit PVC überzogenen Glasfasergewebe bestehen. Sie sind sowohl verrottungssicher als auch schmutz- und wasserabweisend und lassen sich von innen mit einer Zugschnur bedienen. Diese Möglichkeit sollten Hausherrenbeim Dachausbau und dessen Planung berücksichtigen. So auch die robuste Alternative zur filigranen Markise: Rollläden. Sie bilden mit den Dachfenstern eine optische und funktionale Einheit und lassen sich mit einer Handkurbel oder per Elektromotor bedienen. Sie erlauben eine komplette Verdunkelung und sorgen, als geräuschdämmende Aluminiumlamellen, sogar bei Regen für ungestörten Schlaf.

     
  • Dachausbau-Check V: Der Bauantrag

    Vielerorts sind Baugenehmigungen für einen Dachausbau nicht mehr erforderlich, jedenfalls nicht bei der Erweiterung einer bestehenden Wohnung ins Dachgeschoss hinein. Sobald aber eine Gaube eingebaut werden soll, muss das Bauamt zustimmen. Am besten, Sie fragen vor Beginn der Arbeit, ob der Dachausbau genehmigungspflichtig ist. Vor allem wenn eine komplette neue Wohnung entstehen soll, ist eine ganze Reihe von Forderungen zu erfüllen. Welche das an Ihrem Wohnort sind, erläutert Ihnen Ihr Planer.

     

Stilvoller Schutz fürs Dach

Ein attraktives Dach ist nicht nur die weithin sichtbare Visitenkarte des Hauses, sondern auch dessen wichtigster Verbündeter gegen die Elemente. Grund genug, beim Dachausbau auch auf die Qualität des Dachschutzes zu achten.

  • Dachsteine Die "Frankfurter Pfanne" ist der erfolgreichste Vertreter der Betondachsteine aus quarzhaltigem Sand, Portlandzement und Wasser. Durch Beimischung von Farbpigmenten sind verschiedenste Farbtöne möglich. Ab ca. € 14/m²
  • Dachziegel Schon die Römer deckten ihre Dächer mit Ziegeln aus Ton, der bei 900 Grad gebrannt wird. Die sehen klassisch aus und bekommen mit den Jahren eine schöne Patina. Es gibt sie in den verschiedensten Formen. Ab ca. € 16/m²
  • Schiefer Was Fußböden ein edles Gesicht verleiht, hat sich auch beim Dachausbau bewährt. Ein seidiges Schwarz ist möglich, aber auch verschiedene Rot- und Grüntöne. Ein Dach aus Schieferschindeln hält bis zu 100 Jahre. Ab ca. € 42/m²
  • Metall Metall-Dachdeckungen sind dicht, leicht, stabil und nicht brennbar. Gut gemacht können sie Jahrhunderte überdauern. Nachteil: Sie können im Sommer stark aufheizen. Es gibt verschiedene Farben und Formen. Ab ca. € 21/m²
  • Gründach Sattes Grün auf dem Dach kühlt im Sommer und wärmt im Winter. Davon profitieren nicht nur die Bewohner, sondern auch die Umgebung - es entsteht ein besseres Mikroklima durch den Dachausbau . Schön aussehen tut’s ohnehin. Ab ca. € 50/m²

Keine Lust auf Schmutz? Der Hersteller Erlus hat Dachziegel mit Lotuseffekt auf den Markt gebracht, die sich