Dächer mit Stil und Charakter

Dachformen und Eindeckungen prägen das Bild einer Landschaft - da sind Sachverstand und Stilgefühl gefordert.


Dacheindeckung

Undichtigkeiten oder Brüche können auftreten. Das gibt dem Bauherren die Gelegenheit, über eine neue Dachdeckung nachzudenken. Ob Betondachsteine, Metalle, Faserzement, Ziegel oder sogar Kunststoff - das Angebot an Materialien, vor allem aber an Farben und Formen nimmt zu.

Ein "Klassiker" unter den Bedachungsmaterialien ist der Ziegel. Er blickt auf eine viertausend Jahre währende Tradition zurück. Rund 900 Millionen Ziegel produzierte die deutsche Ziegelindustrie allein im vergangenen Jahr - Tendenz steigend. Während die Ziegel früher aus Naturstoffen handwerklich gefertigt wurden, sorgen heute moderne Fertigungstechnologien für die Qualität der keramischen Produkte. Inzwischen lässt sich fast jede Dachgeometrie mit Ziegeln eindecken.

 

Änderungen mit System

Wer sein altes Dach erneuern will, muss die neue Dacheindeckung in jedem Fall auf die bestehende Unterkonstruktion ausrichten. Für jedes Dachsteinformat gilt ein bestimmter Lattenabstand. Wer also die alten Latten behalten möchte, muss die neue Bedachung entsprechend auswählen. Ist die alte Konstruktion nicht tragfähig genug, stellenweise sogar marode oder entspricht in ihrem gesamten Aufbau nicht den geltenden Anforderungen an ein modernes Dach, ist eine gut geplante Rundum-Modernisierung fällig.

Hierbei kann dann auch gleich die Wärmedämmung mit verbessert werden. Die Dachform ergibt sich weitgehend aus dem vorhandenen Grundriss. Eine Aufsattelung ist genehmigungspflichtig. Flachdachpfannen kommen mit einer Dachneigung von 22 Grad (Regeldachneigung) aus, Biberschwanzziegel benötigen 30 Grad. Wird die Regeldachneigung unterschritten, sind je nach Konstruktion verschiedene Zusatzmaßnahmen, beispielsweise ein wasserdichtes Unterdach oder Unterdeckungen, erforderlich.

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Dachneigungsgrenze für Ziegeleindeckungen

Die unterste Dachneigungsgrenze für Ziegeleindeckungen beträgt auch bei der Durchführung von Zusatzmaßnahmen 10 Grad. Wärmedämmsysteme, die auf den Sparren verlegt werden, können die Funktion zusätzlicher Schutzmaßnahmen übernehmen. Ein Wechsel der Dachneigung erhöht partiell die auf das Dach einwirkenden Windlasten.

Überschreitet der Windsog das Eigengewicht der Dachdeckung, muss diese extra gesichert werden. Das lässt sich durch Verklammern, Nägel oder Schrauben bewerkstelligen. Mögliche Angaben zur Windsogsicherung in den Landesbauordnungen haben gegenüber den Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks Vorrang, wenn sie höhere Anforderungen beinhalten. Eine Einzelfallberechnung ist beispielsweise bei Gebäuden in exponierter Lage nötig.

 

Landestypisch bauen

Verschiedene Dachformen: Landestypisch bauen

Regelbelastungen können nicht nur von der Dachform, sondern auch vom Standort abhängen. Ein für nördliche Breitengrade konzipiertes Dach kann in südlichen Ländern versagen, da es für diese Beanspruchungen nicht geplant ist, und umgekehrt.

Die flachen Dächer im schneereichen Süddeutschland besitzen häufig einen großen schützenden Dachüberstand und sind mit kleinformatigen, geschwungenen Dachpfannen oder Bibern bestückt. In Nord- und Westdeutschland sind Hohl- und Krempziegel noch heute die Regel.

 


Materialien für die Dacheindeckung

Nicht jedes Material passt auf jedes Dach. Der Bauherr sollte sich in jedem Fall von einem Dachdeckerbetrieb beraten lassen. Pauschalpreise sind nur schwer festzulegen, da die Kosten für die Verlegung ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Hier kann es regionale Unterschiede geben. Die angegebenen Preise (Euro/m2) können daher nur als Orientierungswert für unproblematische Dachflächen angesehen werden. Sie beinhalten Material- und Lohnkosten.

Ziegel werden aus Lehm, Ton oder tonischen Massen geformt und gebrannt. Das berühmte Ziegelrot (Eisenoxid) ist keine Pflicht. Über einen matten, nicht glasartigen Überzug (Engobe) oder eine Glasur lassen sich beispielsweise auch andere Farben aufs Dach bringen. Ab 35 Euro.

Betondachsteine bestehen aus gewaschenem Sand, Portlandzement, Wasser und Farbpigmenten. Betonprodukte lassen sich recyceln. Ab 30 Euro.

Metalle sind formbar und stabil wie kein anderes Material. Verwendet werden Kupfer, Titanzink, Aluminium, Edelstahl und Blei. Ab 80 Euro.

Faserzementplatten sind widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und Umweltbelastungen. Das Material ist inzwischen asbestfrei. Ab 25 Euro.

Holzschindeln gehören zu den "weichen" Bedachungsmaterialien und sind nur unter bestimmten Auflagen erlaubt (Brandschutz). Gespaltene Schindeln haben eine lange Lebensdauer. Ab 60 Euro.

Schiefer ist eine traditionelle Dachdeckung und inzwischen für den Bauherrn auch wieder erschwinglich. Es gibt ihn in verschiedenen Farben. Ab 55 Euro.

Reet ist ein natürlicher Baustoff (Schilfrohr), der gegen verschiedene Schädlinge anfällig ist. Auf eine regelmäßige Wartung des Daches darf daher nicht verzichtet werden. Ab 65 Euro.

 


Wissenswertes rund um die Dachdeckung

Damit Ihnen die zuständigen Behörden nicht im Nachhinein "aufs Dach steigen": Auch bei der Wahl und Ausführung der Dacheindeckung spielen Vorschriften eine Rolle.

So können die Bebauungspläne nicht nur die Dachformen, sondern auch die Farbe des Daches vorschreiben. Für Tondachziegel gilt die neue Norm DIN EN 1304 (ersetzt DIN 456). Bei Betondachsteinen ist die DIN EN 490 zu beachten. Die Regeldachneigung bezeichnet die unterste Dachneigungsgrenze, bei der sich in der Praxis eine Dachdeckung ohne weitere Zusatzmaßnahmen als regensicher erweist.

Immer mehr Hersteller kommen dem Wunsch von immer mehr Bauherren nach umweltschonenden Materialien entgegen. Sie listen den Lebensweg ihres Produktes umfassend auf. Für diese Offenlegung können sie bei der Arbeitsgemeinschaft umweltverträgliches Bauprodukt e. V. (AUB) ein Zertifikat beantragen.