Altersgerechtes Wohnen: Frühe Planung ist ratsam

Die meisten Menschen möchten möglichst lange selbstbestimmt in ihrem Zuhause leben. Wer sich jedoch erst im reiferen Alter mit dem Thema altersgerechtes Wohnen beschäftigt, muss womöglich hohe Umbaukosten in Kauf nehmen. Eine frühzeitige Planung dagegen senkt die Kosten deutlich, altersgerechtes Bauen rückt daher zunehmend in den Fokus.


Barrierefreiheit – was heißt das eigentlich?

Altersgerechtes Wohnen bedeutet in erster Linie bequemes Wohnen, etwa indem breitere Türen und der Verzicht auf Stufen und Schwellen die Mobilität im Haus erleichtern. Das ist für Menschen aller Altersgruppen angenehm.

Wer sich teure und aufwendige Umbauarbeiten seines Eigenheims im Alter ersparen möchte, sollte also bereits beim Bau darauf achten, altersgerechtes Wohnen in späteren Jahren zu ermöglichen. Das gilt nicht nur für „späte“ Bauherren, die mit über 50 noch einmal ein kleineres Zuhause für sich und den Partner errichten, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Auch in jüngeren Jahren sollte man bereits daran denken, wie sich altersgerechtes Wohnen vorplanen lässt. Je früher man das umsetzt, desto länger wird man angenehm wohnen können.

Altersgerechtes Bauen und Wohnen beginnt bei der Entscheidung für die Lage der Immobilie. Ältere Menschen verbringen mehr Zeit in ihrem unmittelbaren Umfeld als Berufstätige. Eine gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Kultureinrichtungen, Ärzten und Apotheken sowie gutem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr ist deshalb für altersgerechtes Wohnen ein wichtiges Kriterium. Natürlich profitieren auch jüngere Menschen von einem solchen Umfeld.

Erfahrener Architekt prüft Grundriss
Ein erfahrener Blick kann beim altersgerechten Bauen und Planen Synergieeffekte erzeugen. (Quelle: iStock-466574193-PeopleImages)

Ungehinderte Mobilität ermöglichen

Der wichtigste Aspekt ist jedoch die Barrierefreiheit. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zum altersgerechten Wohnen bezeichnen fast 100 Prozent der Befragten Barrierefreiheit als „wichtiges Thema“. 80 Prozent halten darüber hinaus technische Hilfsmittel wie Aufzüge und Treppenlifte für unverzichtbar.

Was viele nicht wissen: Barrierefreiheit ist ein gesetzlich genau definierter Begriff. Gemäß DIN 18040-2 (früher DIN 18025) müssen für Wohnraum zwingend bestimmte Kriterien erfüllt sein, um von Barrierefreiheit sprechen zu können. Gelegentlich bieten Bauunternehmen und Architekten „barrierereduzierte“ oder „barrierearme“ Bauten an. Hier sollte genau hingesehen werden, ob das für ein altersgerechtes Wohnen reicht. Und ob Zuschüsse zu erhalten sind, mit denen altersgerechtes Bauen gefördert wird (siehe weiter unten). Zu einem wirklich barrierefreien Wohnen gehört beispielsweise, dass ein schwellenfreier Zugang zu allen Räumen möglich ist, zudem zu Terrasse und Balkon. Türschwellen sind typische Stolperfallen – nicht nur für Senioren, auch für kleine Kinder.

Bungalows: Für altersgerechtes Wohnen optimal

Auch Treppen können das Leben im Alter kompliziert machen. Um sich beschwerliche „Klettertouren“ zu ersparen, ist ein Bungalow eine gute Lösung. Tatsächlich werden die eingeschossigen Häuser, die ihre erste Blütezeit in Deutschland vor annähernd 50 Jahren erlebt haben, in jüngster Zeit wieder zunehmend populär. Die früher auftretenden Probleme mit undichten Flachdächern kommen inzwischen so gut wie nicht mehr vor. Außerdem gibt es auch Bungalows mit Walm- und Giebeldächern. Da sich alle Räume auf einer Etage befinden, fällt das Treppensteigen komplett weg. Ein (Wasch-)Keller ist überflüssig, wenn im Grundriss ein Haushaltsraum eingeplant oder für eine ausreichende Größe des Badezimmers gesorgt ist.

Apropos Badezimmer: Auch hier macht die DIN 18040-2 konkrete Vorgaben. Dazu gehören etwa eine bodengleiche Dusche, Wandgriffe zum Festhalten und rutschfeste, ebene Böden, vor allem aber eine freie Bewegungsfläche von mindestens 1,20 mal 1,20 Meter. Einige Fachleute empfehlen sogar 1,50 mal 1,50 Meter. Auf diesem Raum dürfen keine Installationen oder Möbel die Bewegungsfreiheit einschränken. Die Breite der Badezimmertür muss – wie bei allen anderen Türen in Haus oder Wohnung – mindestens 80 Zentimeter betragen. Schiebetüren erleichtern im Vergleich zu Schwingtüren den Zugang und sparen Platz. Wer sein Bad von Anfang an etwas großzügiger anlegt, genießt nicht nur Licht, Luft und Geräumigkeit, sondern trifft Vorbereitungen für ein späteres altersgerechtes Wohnen.

Altersgerechter Bungalow
Bungalows sind dank ebenerdiger Bauweise für altersgerechtes Wohnen gut geeignet – sofern auf breite Türen und den Verzicht auf Schwellen und Stufen geachtet wird. (Quelle: iStock-474063470-KatarzynaBialasiewicz)

Worauf es bei Treppen und Aufzügen ankommt

Aufzug in einem Einfamilienhaus
Einen Aufzug einzubauen ist nicht billig – macht aber auch ein mehrstöckiges Einfamilienhaus barrierefrei. (Quelle: tdx-ammann-rottkord)

Bei einem mehrgeschossigen Einfamilienhaus spielen die Treppenart und der Zugang zu den oberen Etagen eine bedeutende Rolle für das altersgerechte Wohnen. Gerade gehaltene Treppen sind leichter zu begehen als Wendeltreppen. Außerdem lässt sich an derartige Treppen bei Bedarf auch ein Treppenlift anbringen. Immer mehr Bauherren gehen dazu über, gleich einen Personenlift einbauen zu lassen, mit dem sich die oberen Etagen erreichen lassen. Ein Lift erleichtert auch den Transport von schweren Gegenständen enorm und kann bei ansprechender Gestaltung sogar ein optisches Highlight des Hauses darstellen.

Grundsätzlich ist es ratsam, bei der Bauplanung Möglichkeiten zu schaffen, dass sich das Leben im Alter hauptsächlich im Erdgeschoss abspielen kann. Hier sollte neben einem Schlafzimmer also auch ein Bad eingerichtet werden – oder zumindest die Voraussetzung für einen Umbau geschaffen sein. So lassen sich beispielsweise bereits die notwendigen Wasseranschlüsse legen, auch wenn der Raum zunächst als Arbeitszimmer genutzt wird.

Von Vorteil ist es zudem, sämtliche Lichtschalter von vornherein in ungefährer Hüfthöhe anzubringen, sodass sie sich auch aus einem Rollstuhl heraus erreichen lassen. Gleiches gilt in der Küche für Schränke und Arbeitsflächen. Sogenannte Apothekerschränke mit herausziehbaren Laden sind bequem und auch im Sitzen zugänglich. Generell ist ein möglichst großzügiger Grundriss mit vielen freien Flächen von Vorteil. Weitläufige Räume mit geraden Linien erhöhen den Wohnkomfort – nicht nur im Alter.


Mehrgenerationenhaus dank Einliegerwohnung

Wer ausreichend Platz in seinem Haus zur Verfügung hat, kann auch über die Einrichtung einer Einliegerwohnung nachdenken. In der Nachkriegszeit waren diese ins Gebäude integrierten, aber separaten Wohnungen laut Wohnungsbaugesetz bei neuen Einfamilienhäusern sogar vorgeschrieben. Sollte damals auf diese Weise die herrschende Wohnungsnot bekämpft werden, so hat eine Einliegerwohnung heute vor allem praktische und finanzielle Vorteile. Solange die Immobilie noch nicht abbezahlt ist, lässt sich die Einliegerwohnung untervermieten. Später bietet sie sich als Wohnbereich für ältere Kinder an. Nach weiteren Jahren können die Eltern dort einziehen und ihren Kindern und deren Familie den größeren Bereich des Hauses überlassen – so wird das beliebte Konzept vom Mehrgenerationenwohnen Wirklichkeit. Eine weitere Variante ist, dass bei Pflegebedarf die Pflegekräfte oder pflegende Angehörige die Einliegerwohnung bewohnen.

Vermieten lässt sich eine Einliegerwohnung sowohl an Fremde als auch an Verwandte. Kosten können unter bestimmten Voraussetzungen in beiden Fällen steuerlich geltend gemacht werden.

Techniker prüft altersgerechte Beleuchtung
Nachdem die entsprechende Technik installiert ist, lassen sich viele Funktionen in Haus oder Wohnung bequem mittels Smartphone steuern. (Quelle: iStock-626698206-nullplus)

Moderne Haustechnik erleichtert altersgerechtes Wohnen

Bewegungsmelder für ein Smart Home
Clever positionierte Bewegungsmelder übernehmen die Steuerung vieler technischer Funktionen. (Quelle: iStock-174481579-Manuel-F-O)

Wer bereits beim Bau eines Hauses für altersgerechtes Wohnen vorsorgen möchte, sollte auch die Möglichkeiten moderner Haustechnik nutzen – Stichwort Smart Home. Wenn die körperlichen Kräfte nachlassen, können technische Hilfsmittel den Alltag enorm erleichtern. So müssen zum Beispiel Rollläden und Jalousien nicht mehr mühsam von Hand hoch- und heruntergelassen werden – das funktioniert über einen Wandschalter, per Fernbedienung oder Smartphone. Mit den entsprechenden Sensoren ausgestattet, fahren Rollläden morgens und abends sogar selbstständig hoch und herunter, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern. Für den Garten gibt es elektronisch gesteuerte Bewässerungssysteme, die sich selbst einschalten, wenn ein bestimmter Feuchtigkeitsgehalt im Boden unterschritten wird. Das eigenhändige Bewässern mit einem Schlauch oder einer schweren Gießkanne entfällt.

Auch zur Barrierefreiheit kann moderne Haustechnik einiges beitragen, etwa durch elektrische Türantriebe. Damit lassen sich Türen per Schalter oder Fernbedienung öffnen. Ist zusätzlich ein Bewegungsmelder installiert, öffnen sich Türen sogar automatisch, sobald sich jemand nähert. Überhaupt sorgen Bewegungsmelder für ein deutliches Plus an Sicherheit, etwa indem sie Lampen im und am Haus steuern. Im Dunkeln nach einem Lichtschalter zu tasten ist dann nicht mehr nötig. Außerdem lassen sich Einbrecher oftmals abschrecken, wenn plötzlich helles Licht angeht, sei es an der Haustür oder im Garten.

Wer beim Neubau von vornherein an altersgerechtes Wohnen denkt, spart viel Geld, das er sonst für spätere Umbauten ausgeben müsste. Die notwendigen Baumaßnahmen sind gar nicht so teuer, wie viele Bauherren denken: Das Hannoveraner Institut für Bauforschung hat ausgerechnet, dass die Mehrkosten für Barrierefreiheit bei einer 70 Quadratmeter großen Wohnung lediglich rund 3,2 Prozent der Bausumme ausmachen.


Zuschüsse, Förderung, Finanzierung

Sollte im Alter doch ein Umbau der Wohnung oder des Hauses nötig sein, gibt es dafür lukrative Finanzierungsmöglichkeiten und staatliche Zuschüsse. So lassen sich beispielsweise die Erträge aus einem Bausparvertrag zum seniorengerechten Umbau verwenden, und die öffentlich-rechtliche KfW-Bank fördert solche Umbauten mit speziellen Programmen. Bis zu 4.000 Euro schießen die Pflegekassen für sogenannte „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ zu, sofern diese den Verbleib einer pflegebedürftigen Person in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Darüber hinaus gibt es in vielen Städten und Gemeinden kommunale Wohnförderprogramme. Erkundigen Sie sich im Rathaus Ihrer Stadt danach. Und selbstverständlich erarbeitet Ihr Heimatexperte der Bausparkasse Schwäbisch Hall gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Modernisierungskredit.

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