Wärme aus dem Untergrund

Im Sommer liefert die Sonne Wärme im Überfluss. Ein Architekt in Pfarrkirchen speichert diese raffiniert im Erdreich unter seinem Haus und heizt damit im Winter.


Im Sommer ist der Überschuss enorm

Strom und Wärme aus der Sonne selbst erzeugen: Bauherrenfamilie vor dem Gebäude, links vorne die Solarkollektoren
Investition in die Zukunft: Auch die nachfolgenden Generationen werden vom Solarhaus profitieren können (Foto: U. Geisler)

Dass im Hause Lengdobler eine Photovoltaikanlage für Strom und Sonnenkollektoren für Wärme sorgen, ist dabei nicht das Besondere. Der Clou des Konzepts verbirgt sich unter der Erde: Die Wärme, die Lengdobler im Sommer über die vor allem in die Fassade integrierte 28 Quadratmeter große Kollektorfläche erzeugt, rettet er mit einem unterirdischen Wärmespeicher höchst effizient ins Winterhalbjahr – ein von ihm selbst entwickeltes Konzept, das er vor einigen Jahren bereits bei einem anderen Projekt erfolgreich umgesetzt hatte.

„Die Speicherung ist bei der Nutzung der Sonnenenergie letztlich das entscheidende Problem“, weiß Lengdobler. In anderen Solarhäusern würden dafür riesige, mehrere Meter hohe, dick isolierte Wasserspeicher installiert. „Das ist nicht nur wegen der Technik, sondern auch wegen des zusätzlichen umbauten Raumes eine kostspielige Angelegenheit.“ Alfons Lengdobler nutzt stattdessen das Erdreich unter seinem Haus zur Wärmespeicherung. Unter der Bodenplatte hat er dafür einen Wärmetauscher verlegt. Dorthin leitet er das von der Sonne kostenlos erwärmte Wasser, das die Familie nicht für den täglichen Bedarf benötigt.

Im Sommer ist dieser Überschuss enorm. Beim Durchströmen der Rohrschlangen gibt das Wasser seine Wärme an den bloßen Erdboden ab, der sich so auf bis zu 55 Grad Celsius aufheizt. Eine seitliche Dämmung bewirkt, dass diese Wärme nicht abfließt. Die im Erdreich quasi zwischengespeicherte Sonnenenergie und etwas Strom reichen aus, um das Haus sowie das Bade- und Spülwasser den ganzen Winter über wohlig warm zu halten. „Und das auch in einem strengen Winter wie dem letzten“, betont Alfons Lengdobler.


Und so funktioniert das Solarhaus

Ins Haus kommt die Wärme über eine sogenannte kontrollierte Wohnraumbelüftung mit Wärmerückgewinnung. Sie saugt die verbrauchte Luft aus den Räumen ab und lässt frische Luft in der gewünschten Temperatur nachströmen. Über Wärmetauscher wird die warme Abluft aus den Räumen zum Vorwärmen der Zuluft verwendet. Alfons Lengdobler nutzt für diesen Vorwärmprozess in der kalten Jahreszeit zusätzlich die gespeicherte Erdwärme. „Auch im Winter sinkt die Temperatur in unserem Erdwärmespeicher nicht unter 20 Grad Celsius“, sagt Lengdobler. Sein Haus kommt so mit nur sechs Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr aus – für Heizung, Haushaltsstrom, Warmwasserbereitung und Hilfsstrom. Da die Photovoltaikanlage auf dem Garagendach deutlich mehr Strom erzeugt, bleibt in der Energiebilanz unterm Strich ein dickes Plus.

Errichtet hat der Bauherr sein Haus ausschließlich aus natürlichen Baustoffen: Außenwände, Geschossdecken und Dach sind aus massivem Holz. Die Dämmung besteht aus Holzfaserplatten, verschalt ist das Gebäude mit unbehandeltem Lärchenholz. Beide Dächer nehmen den Neigungsgrad des Grundstücks auf. Das überstehende Grasdach schützt die Wohnräume im Obergeschoss im Sommer vor zu intensivem Sonnenschein. Im Winter dagegen dringen wegen der tiefer stehenden Sonne Licht und Wärme weit in die Räume hinein – ein erwünschter Effekt, denn in dieser Jahreszeit ist jeder Strahl willkommen.

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Offen zur Sonne

Die Energietechnik ist quasi unsichtbar in Dach und Bodenplatte untergebracht und als gestaltendes Element in die Fassade integriert. Sonnenkollektoren zieren schiebeladengleich das Erdgeschoss. Die Photovoltaikanlage ist bündig in das Dach der Garage eingelassen, ebenso die Sonnenkollektoren im Übergang zum Haus. „Ich wollte zeigen, dass es viele gestalterische Möglichkeiten gibt, Energietechnik ansprechend in die Architektur zu integrieren“, sagt Alfons Lengdobler.

Das Haus von Brigitte und Alfons Lengdobler steht an einem Hang – ein schlichtes Rechteck mit 175 Quadratmetern Wohnfläche, das streng nach Süden ausgerichtet ist. Die Nordseite ist konsequent geschlossen, die Südseite großzügig verglast. Die Baukosten betrugen 2.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, wobei die Hanglage erhebliche Zusatzkosten verursacht hat. Insgesamt kostete das Haus rund 15.000 Euro mehr als ein übliches Passivhaus.

Strom und Wärme aus der Sonne selbst erzeugen: schematische Gesamtansicht des Gebäudes mit allen Gebäudeteilen