Hausanbau: Altbau mit modernem Anbau

Anbau statt Neubau: Ein Ehepaar aus Nordhorn musste sich für sein Traumhaus etwas einfallen lassen – mit einem modernen Hausanbau konnte das Paar seinen Wohntraum realisieren.


Rettende Idee: die komplette Entkernung des Altbaus

So hatten sich beide modernes Wohnen nicht vorgestellt. Zwar verfügte das Haus über 110 Quadratmeter Wohnfläche – für zwei Personen nicht wenig. Aber das Ehepaar, das noch in einer Doppelhaushälfte in einer Siedlung wohnte, wollte ja gerade raus aus der Enge konventioneller Zimmeraufteilung. „Kaufen und Abreißen war natürlich unser erster Gedanke“, erinnert sich Köster. Aber genau das sollte nicht funktionieren. Neubauten im ländlichen Raum erschwert nämlich der Paragraf 35 des Baugesetzbuches. Zum Schutz der dort Wohnenden und zum Erhalt der Landschaft dürfen Neu- und Umbauten und damit verbundene Abrisse nur von dort bereits Wohnenden – so genannten „Privilegierten“ – vorgenommen werden.

 

Spielraum beim Anbau

Wo ein Gesetz, da auch eine Lücke, hoffte Köster und suchte gemeinsam mit dem Nordhorner Architekten Gerold Potgeter nach einer Lösung. Dem Gesetz zufolge lag die maximale Größe des Ausbaus im Landkreis bei 156 Quadratmetern; es war also lediglich ein Anbau von 46 Quadratmetern möglich – kein wirklicher Gewinn. „Wir waren drauf und dran, das Haus aufzugeben“, gesteht Köster. Bis Bauherren und Architekt im Februar 2007 die rettende Idee hatten: das Backsteinhaus komplett zu entkernen. „Dadurch hatten wir nicht mehr zwei, sondern nur noch eine Etage – und die Wohnfläche war auf 60 Quadratmeter reduziert“, erklärt der Architekt. „Somit erhielten wir entsprechenden Spielraum beim Anbau: Nun waren an die 100 Quadratmeter möglich.“ Dem neuen Konzept gab der Landkreis sein Okay, und das Ehepaar konnte im Juli 2007 endlich das Grundstück und die Immobilie kaufen.

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Fast wie ein Neubau

Von nun an ging alles ganz schnell. Alle Decken und Böden wurden herausgerissen. Dann wurde das Gebäude wärmetechnisch verbessert. Auf die Klinker kam eine Außendämmung und dann weißer Putz. Fertig war ein lichtdurchfluteter Raum, der lediglich das Wohn- und Arbeitszimmer beherbergen sollte. Küche, Ess-, Schlaf- und Badezimmer sollten im Anbau untergebracht sein.
 
Die Komplettentkernung des vorhandenen Wohnhauses (links) mitsamt Entfernung der Geschossdecke reduzierte die Ausgangs-Wohnfläche von 110 auf 60 Quadratmeter. Diese Verringerung schuf die rechtliche Voraussetzung für die Hinzufügung von weiteren 100 Quadratmetern in dem zweigeschossigen Neubau (rechts). Was sich so trickreich, aber einfach anhört, war in der Realität jedoch nicht ganz billig. Allein die Umwand-lung des Altbaus hat die Bauherren circa 110.000 Euro gekostet. Darin sind allerdings die Arbeiten zur Entkernung ebenso enthalten wie die Anbringung eines Wärmedämmverbundsystems auf der Klinkerwand.

Vollkunststoff in Holzoptik

Und der stellt sich im Nachhinein als eine echte Pointe dar. Er ist in einer Kubusform errichtet – eine Idee, die vom Bauherrn selbst stammt und beim Architekten zunächst nicht auf Begeisterung stieß. „Optisch schwierig“, urteilte der – und schlug vor, das Obergeschoss um drei Meter zu verschieben. Das nahm dem Würfel seine Wucht, und es entstand auch noch eine überdachte Terrasse und oben vor dem Schlafbereich eine offene Grünfläche.

Auch bei der Fassade wollten Köster und Schwab den Unterschied der beiden Gebäude hervorheben, Holz schwebte ihnen vor. Entschieden haben sie sich für einen Vollkunststoff in Holzoptik. Das rotbraune Material hat den Vorteil, dass man es nicht pflegen muss, denn es ist absolut wetterbeständig. Auch dies eine Wahl, die Pragmatik und Kreativität geradezu perfekt verbindet.