Heizen nur mit Sonnenkraft

Bei Freiberg in Sachsen hat Familie Uhlmann ein Energetikhaus bezogen. Mit unter 100 Euro Heizkosten kommt sie durch den Winter.


Herzstück: Sonnenkollektoren

Modern ist das Energiekonzept des Hauses in Berthelsdorf ohne Zweifel. Sein Herzstück sind großflächige Sonnenkollektoren und ein Langzeitwärmespeicher: 68 Quadratmeter groß ist die Fläche der Kollektoren, die das gesamte Süddach eindecken. Die Kollektoren sind um 69 Grad geneigt, was im Winter bei tief stehender Sonne optimale Erträge bringt. Bei 140 Quadratmetern Wohnfläche ergibt sich etwa das angepeilte Verhältnis von zwei zu eins.

Die Größe des Wärmespeichers berechnen die Entwickler von Fasa bei ihren Projekten individuell. Doch 28 Kubikmeter sind eine Art Standardwert; er wurde auch bei den Uhlmanns gewählt. Damit erreiche das Haus eine solare Deckung von 95 Prozent, sagt Christine Bendixen von der Soli fer Solardach GmbH in Freiberg, die das Energiekonzept entwickelt hat. Weitere am Energetikhaus Beteiligte sind das Ziegelwerk Freital Eder GmbH und die TU Bergakademie Freiberg.
 
Ursprünglich sollte das Haus in Berthelsdorf ein Musterhaus bleiben. Als die Firma Fasa es dann doch zum Verkauf anbot, schlugen die Uhlmanns zu. Die heute dreiköpfige Familie hat nun schon ihren dritten Winter darin verbracht und ist mit dem Wohnkomfort sehr zufrieden. Denn aufgrund der natürlichen Baustoffe sei das Raumklima sehr angenehm, sagt der Familienvater. Zudem machen die Energiekosten Freude: „Die solare Deckung lag in den ersten beiden Jahren bei 97 Prozent.“ Damit hätten sich die jährlichen Heizungskosten auf nur 40 Euro belaufen – für den Strom der Umwälzpumpen und für ein wenig Holz.  

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Jedes Gebäude wird individuell geplant

Der dritte Winter war allerdings nicht so mild wie die beiden vorherigen, daher dürfte der solare Deckungsgrad diesmal um ein paar Prozentpunkte niedriger sein. „Aber auch in diesem Jahr werden wir unter 100 Euro Heizkosten bleiben“, sagt Jens Uhlmann.

Energetikhäuser sollen einen Standard schaffen, ohne aber die Gestaltungsmöglichkeiten einzuschränken. So wird jedes Gebäude individuell für den gewünschten Standort geplant, berechnet und schlüsselfertig gebaut, heißt es beim Hersteller. Ein Energetikhaus sei kein Fertighaus, sondern es werde vor Ort in acht bis neun Monaten Bauzeit erstellt. Die möglichen Architekturvarianten reichen vom traditionellen Satteldach bis hin zu modernen Entwürfen im Bauhausstil oder in zylinderförmiger Bauweise. Voraussetzung  sind lediglich ein geeignetes Grundstück und ausreichend Fassaden- und Dachflächen. Inzwischen sind bereits mehrere Nachfolgeprojekte im Bau beziehungsweise fertiggestellt.

 

„Enttechnisierung“

Wert legt Fasa auf die individuelle Kalkulation eines jeden Hauses. Je nach Standort und Wünschen des Bauherrn werde das Gebäude auch als Energetikhaus 90 ausgelegt, dann müssten noch zehn Prozent des Wärmebedarfs durch Holz gedeckt werden. Das könne zum Beispiel der Fall sein, wenn das Haus nicht exakt nach Süden ausgerichtet werden kann oder wenn es leichte Verschattungen gibt. Der Preis für die kleinste Variante mit 115 Quadratmetern Wohnfläche und 70 Grad Dachneigung liegt beim Bau in den Ost-Bundesländern bei rund 200.000 Euro. Im Westen kostet das gleiche Haus 20.000 bis 25.000 Euro mehr, was mit den höheren Löhnen zusammenhänge, heißt es bei der Firma. Es wird zwar vor allem als Einfamilienhaus beworben, doch auch Mehrfamilienhäuser, Büros und Schulen seien nach dem gleichen Prinzip möglich.

Das Haus ist zwar gut, aber nicht allzu üppig gedämmt, was durchaus Strategie ist. Der Hersteller Fasa spricht von einer „Enttechnisierung“, da auf teure Investitionen (etwa in wartungsintensive, aufwendige Lüftungsanlagen) verzichtet werde – schließlich werde die Energie kostenlos von der Sonne geliefert. Der Strombedarf für die Haustechnik liege bei nur 20 Euro im Jahr. Das Haus ist gedämmt mit ökologischen Stoffen auf Basis von Flachs, Hanf und Seegras sowie mit neu entwickelten Wärmedämmziegeln. Der Dämmstandard entspricht der bisherigen Kategorie KfW-60.

Energetikhaus: Grafik des Wohnhauses