Mehrgenerationen-Wohnen am Wasser

Am Ratzeburger Küchensee hat eine engagierte Baugemeinschaft ihren Traum vom Mehrgenerationen-Wohnen am Wasser realisiert. Ein Modell für die Zukunft.


Gemeinsame Aktivitäten gehören zum Wohnkonzept

Gemeinsam gehen sie die wenigen Schritte bis zum nahen Ufer, tauchen tapfer ins 14 Grad kalte Wasser, drehen ein paar Runden, verabschieden sich „bis morgen“ und gehen danach ihrer Wege. Die Szene wirft ein Schlaglicht auf das, worum es den Bauherren von Anfang an ging: mit eigenen Ideen, Tatkraft und Idealismus ein generationenübergreifendes Wohnkonzept zu entwickeln und aufgehoben zu sein in einer Gemeinschaft, in der jeder für sich sein kann, wenn er will, und die Nähe seiner Nachbarn suchen kann, wenn er sie braucht.

Die pensionierte Sonderschullehrerin Karla Ackmann-Haensch hat jede Phase des Projekts hautnah mitgestaltet. Sie erzählt, wie sie mit einer Handvoll Interessenten im Jahr 2008 beschlossen hatte, unter Projektregie der Conplan GmbH im Herzen der Lauenburgischen Seenplatte eine moderne Form gemeinschaftlichen Wohnens zu etablieren. Und sie berichtet von den etlichen Sitzungen der Baugruppe, auf denen Fragen zur Heizungsanlage, Möblierung der Gemeinschaftsräume oder Begrünung der Freifläche erörtert wurden.

Mehrgenerationen Wohnprojekt: Bewohnerin
Arbeit – ja bitte: Wann immer möglich, erledigt Karla Ackmann-Haensch auch ihre private und geschäftliche Korrespondenz auf der Terrasse. (Foto: Ingo Boelter)

Eigene Ideen und Wohnvorstellungen einbringen

Mehrgenerationen Wohnprojekt: Grünflächen zwischen den Gebäudekomplexen
Garten-Design: Die Bewohner entscheiden gemeinsam, wie die Bepflanzung und Gestaltung ihrer kollektiven Anlage aussehen soll. Für den großen Grillplatz hat fast jeder gestimmt. (Foto: Ingo Boelter)

Wichtig sei ihr gewesen, ihre Wohnvorstellungen umsetzen zu können. Als Bauherrin der Pionierphase konnte sie dann ihre Ideen in die Planung einbringen: die Aufteilung ihrer 90 Quadratmeter großen Endetagenwohnung in einen Wohnraum mit offener Küche, Schlaf- und Arbeitszimmer sowie Bad und Gäste-WC.

Der weite Blick über den See und das satte Grün der Wälder sind selbst an diesem trüben Maimorgen ein Erlebnis. Auf der anderen Uferseite hatte sie über 30 Jahre in ihrem 250 Quadratmeter großen Familienhaus gelebt, erzählt die Gastgeberin. Die Entscheidung zum Umzug sei nicht leicht gewesen, habe aber auch etwas Befreiendes gehabt, denn die Pflege des Hauses und Gartens hätte sie zum Schluss schon „sehr viel Zeit und Kraft gekostet“.

Beim Rundgang über die Mehrgenerationen-Wohnanlage führt uns Karla in den Gemeinschaftsraum, der mit großer offener Küche und vielen Tischen wie eine gemütliche Kantine wirkt. Im begrünten Innenhof soll demnächst ein Grillplatz für die - natürlich generationenübergreifenden - Sommerfeste entstehen.