Energetisch sanieren: die Umwelt schonen

Serie Generationenwechsel, Folge 10: Nahezu alle älteren Bestandsimmobilien haben große energetische Defizite: Mangels Dämmung geht Heizenergie verloren, die noch dazu mit ineffizienten Heizungen erzeugt wird. Abhilfe kann nur eine umfassende energetische Sanierung schaffen. Lesen Sie hier, welche Maßnahmen beim energetischen Sanieren anstehen.


Der erste Schritt: Die richtige Vorbereitung

Wo die energetischen Schwachstellen eines Hauses liegen, kann nur ein Profi ermitteln. Sie sollten also zunächst von einem Architekten, Energieberater oder Fachbetrieb eine Gebäudeanalyse erstellen lassen, bevor Sie Ihre Immobilie energetisch sanieren. Dabei wird ermittelt, wo genau wie viel Energie entweicht und welche Maßnahmen notwendig sind, um Abhilfe zu schaffen. Ein Fachmann kennt auch die dafür maßgeblichen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV), bei der es sich allerdings nur um Mindestvorgaben handelt. Experten raten dazu, bei einer energetischen Sanierung stets möglichst hohe Standards zu realisieren.

Die Analyse zu Beginn der Sanierung geschieht am genauesten über thermografische Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera. Unterschiedliche Farben zeigen an, wo das Haus Wärme verliert. Leuchtendes Rot bedeutet: Hier werfen Sie Geld für Heizkosten zum Fenster hinaus – und das oft im wörtlichen Sinn. Denn undichte Fenster gehören neben einer unzureichenden Dämmung zu den gravierendsten Mängeln alter Häuser. Auch Wärmeverluste durch andere Bauteile und damit der Bedarf an Dämmung lassen sich anhand der Farben erkennen.


Vom Keller bis zum Dach: Wärmedämmung erneuern

Die effektivste Art der Wärmedämmung von Hauswänden ist die Außendämmung. Traditionell kommt dabei Mineralwolle, Polystyrol (also Styropor) oder Polyurethan-Hartschaum zum Einsatz. Das Dämmmaterial wird als Verbundsystem meist plattenweise angeklebt oder verdübelt. Um den Anforderungen eines Niedrigenergiehauses zu genügen, sollte die Dämmung mindestens zwölf Zentimeter dick sein. Dünnere Dämmungen sind nicht zuschussfähig.

Etwas teurer, dafür aber umweltschonender sind natürliche Dämmstoffe, zum Beispiel Holzfaserplatten, Kork und Hanf. Laut Verband Privater Bauherren (VPB) stehen sie in ihrer Dämmwirkung Stoffen wie Polystyrol und Polyurethan in nichts nach. Natürliche Dämmstoffe werden aber nicht energieintensiv auf Erdölbasis hergestellt, sondern bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen. Ein gutes Öko-Gewissen ist also im etwas höheren Preis mit enthalten.

Eine Außendämmung ist allerdings bei manchen älteren Gebäuden nicht gewünscht, weil die bestehende Fassade nicht verändert werden soll. Steht das Haus unter Denkmalschutz, ist eine solche Veränderung sogar verboten. In diesem Fall bietet sich eine Innendämmung an. Diese Möglichkeit können Sie auch als Besitzer einer Eigentumswohnung nutzen, falls eine komplette Außensanierung am Veto der Eigentümergemeinschaft scheitert. Kosten und Dämmwirkung sind bei der Innendämmung geringer als bei einer Außendämmung. Der Vorteil ist, dass die Innendämmung individuell Raum für Raum ausgeführt werden kann. Außerdem können Sie so nur einen Teil des Hauses energetisch sanieren, etwa das Dach. Ist der Dachboden nicht ausgebaut, reicht hier in der Regel eine Dämmung der oberen Geschossdecke. Bei bewohnten und beheizten Dachgeschossen sollte es dagegen schon eine sogenannte Dachsparren- oder Aufsparrendämmung mit einer Stärke von mindestens 22 Zentimetern sein.

Eine Dämmung am anderen Ende des Hauses, im Keller, hilft, zusätzlich rund zehn Prozent Energie zu sparen. Auch hier kommt es bei der Dämmart auf die Nutzung der Räume an. Handelt es sich beispielsweise um einen häufig benutzten Hobbykeller, der im Winter regelmäßig beheizt wird, sollten Wände und Boden gedämmt sein. Bei unbeheizten Kellern reicht in der Regel auch eine Deckendämmung.

Energetisch sanieren: Türen und Fenster erneuern

Es ist nicht nur aus Kostengründen ratsam, eine Sanierung der Gebäudedämmung gleich mit einem Austausch von Fenstern und Türen zu verbinden. Hintergrund: Jedes Haus bildet thermisch gesehen ein Gesamtgebilde. Deshalb müssen die einzelnen Elemente aufeinander abgestimmt sein. Bei der Auswahl neuer Fenster kann also zum Beispiel auch die Art der Wanddämmung eine Rolle spielen. Haben Sie sich für eine weniger effektive Innendämmung entschieden, sollten zum Ausgleich zumindest die Verglasungen der Fenster so dämmeffizient wie möglich sein.

Auskunft darüber gibt der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient, kurz U-Wert oder Uw-Wert (früher K-Wert). Je kleiner er ist, umso besser ist die Wärmedämmung eines Fensters. Haben alte Fenster mit einer einfachen Verglasung einen U-Wert von 5 oder mehr, kommen heutige dreifach verglaste Fenster auf einen Wert von 0,2. Laut EnEV darf der U-Wert bei Neu- und Umbauten einen Wert von 1,3 nicht überschreiten. Ein noch niedrigerer Wert ist aber empfehlenswert, will man wirklich effektiv energetisch sanieren.


Fensterrahmen gehören dazu, wenn Sie energetisch sanieren

Auch der Fensterrahmen spielt für die Dämmung eine Rolle. Er hat einen eigenen Uf-Wert, das „f“ steht für das englische Wort „frame“, also für „Rahmen“. Hersteller müssen seit einigen Jahren aber auch den Gesamtwert für das Fenster, also Verglasung plus Rahmen, angeben. Er wird in Uw („w“ für „window“, also „Fenster“) beziffert.

Bei Fensterrahmen haben Sie die Auswahl zwischen unterschiedlichen Materialien. Sehr beliebt sind nach wie vor Holzrahmen, die auch gut dämmen. Wer zusätzlich etwas für die Umwelt tun will, achtet beim Kauf darauf, dass das verwendete Holz aus nachhaltiger Produktion stammt und mit dem FSC- oder PEFC-Zertifikat ausgezeichnet ist. Fensterrahmen können auch aus Kunststoff, Aluminium oder einer Kombination verschiedener Materialien gefertigt sein. Die Materialien unterscheiden sich bezüglich Dämmeigenschaft, Robustheit und Preis, Alu-Rahmen sind am teuersten. Lassen Sie sich auch hier am besten von einem Fachmann beraten.

Bei allen Dämmmaßnahmen sollten Sie auf jeden Fall beachten: Je luftdichter Fenster, Türen und Wände abschließen, möglicherweise bis hin zum Passivhaus-Standard, umso höher ist zwar die Energieeinsparung. Doch umso wichtiger wird es auch, regelmäßig gründlich zu lüften. Sonst droht die Bildung von Schimmel. Die Installation einer Lüftungsanlage kann sich ebenfalls anbieten.

Auch hier zeigt sich wieder, dass ein Element ins andere greifen muss, wenn Sie ein älteres Gebäude energetisch sanieren. Aus diesem Grund gibt es außer den bereits erwähnten Zuschüssen der KfW-Bank auch finanzielle Unterstützung für eine professionelle Fachplanung und Baubegleitung (bis zu 4.000 Euro).


Alte Heizungsanlage austauschen

Die Erneuerung der alten Heizungsanlage gehört ebenfalls zu einem schlüssigen Energiekonzept dazu. Ist die Heizung der übernommenen Immobilie älter als 30 Jahre, muss sie eh binnen zwei Jahren nach Besitzerwechsel ausgetauscht werden. Bei einem effizient gedämmten Haus ist vermutlich ein kleinerer Heizkessel als zuvor ausreichend. Moderne Öl- oder Gasheizungsanlagen verfügen außerdem über eine deutlich effizientere Brennwerttechnik als ältere Modelle, wie sie beispielsweise in den meisten vor 1984 errichteten Einfamilienhäusern eingebaut sind. Die durchschnittlichen Kosten von 6.000 bis 9.000 Euro (abzüglich möglicher Zuschüsse) für die neue Heizungsanlage rentieren sich nach Berechnungen von Experten bereits nach sieben bis zehn Jahren.

Neben den traditionellen Öl- und Gasheizungen stehen heute neue Technologien zur Verfügung. Wärmepumpen, Blockheizkraftwerke und Pelletheizungen gehören zu den am häufigsten genutzten Varianten. Schließlich bietet sich beim Heizen auch eine Kombination mit Solarthermie-Systemen an. Zur eigenen Stromerzeugung lassen sich Photovoltaik-Anlagen nutzen.


Sonnenkraft für Strom und Wärme nutzen

Diese beiden Begriffe – Solarthermie und Photovoltaik – werden häufig miteinander verwechselt. Deshalb noch einmal kurz zur Erklärung: Beide nutzen die Energie der Sonne, Solarthermie erzeugt aber lediglich Wärme, keinen elektrischen Strom. Das können nur Photovoltaik-Anlagen. Wenn Sie Ihr Haus energetisch sanieren, bietet es sich an, beide Techniken in die Planung einzubeziehen.

Die meisten Solarthermie-Systeme arbeiten mit einfachen Flachkollektoren, die auf dem Dach angebracht sind. Etwas teurer sind die leistungsfähigeren Vakuumröhrenkollektoren. Manche Anlagen dienen allein der Warmwasserbereitung, andere unterstützen auch die Heizung im Haus. So tragen sie wesentlich zur Senkung der Heizkosten bei.

Eine Photovoltaik-Anlage brachte lange Zeit gleich in zweierlei Hinsicht finanzielle Vorteile. Erstens lässt sich mit ihr der eigene Strombedarf decken, zweitens gibt es für die Einspeisung von Stromüberschüssen ins öffentliche Netz eine staatliche Vergütung. Da diese aber seit Jahren immer niedriger ausfällt, lohnt sich eine solche Anlage heutzutage vor allem für den Eigenverbrauch.

Mithilfe von Solarzellen, die in Modulen zusammengefasst sind, wandelt die Photovoltaik das Sonnenlicht in elektrischen Strom um. Damit der nicht nur dann fließen kann, wenn die Sonne scheint, wird die in sonnenreichen Zeiten erzeugte Energie gespeichert, sodass sie auch nachts und bei wenig Sonnenlicht zur Verfügung steht. Bei der Leistungsfähigkeit und Größe einer Photovoltaik-Anlage kommt es unter anderem auf den Neigungswinkel des Dachs an, denn davon hängt wiederum die Intensität des Lichteinfalls ab. Ein qualifizierter Fachbetrieb kann Ihnen hierzu nach einer Besichtigung der Immobilie am besten Auskunft geben.


Energetisch sanieren: Aufwand und Effekt

Der begleitende Architekt wird Ihnen eine Kostenschätzung zu den finanziellen Dimensionen des Projektes geben können. Seriöse Fachbetriebe analysieren den Ist-Zustand und liefern Ihnen auf Wunsch detaillierte Kostenvoranschläge. Die Höhe der Aufwendungen hängt vom Umfang der Maßnahmen und der Qualität der eingesetzten Materialien ab. Als Anhaltspunkte können diese Werte dienen:

  • Außenwanddämmung: 100 bis 120 Euro/Quadratmeter
  • Dachdämmung: 30 bis 50 Euro/Quadratmeter
  • Kellerdeckendämmung: 5 bis 7 Euro/Quadratmeter
  • neue Wärmeschutzverglasung: 250 bis 400 Euro/Quadratmeter
  • komplett neue Fenster: 500 bis 1.000 Euro/Stück
  • Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung: 5.000 bis 7.000 Euro
  • Solar- oder Photovoltaikanlage: 4.500 bis 15.000 Euro

Die Ausgaben erscheinen in einem anderen Licht, wenn Sie sich bewusst machen, dass Sie mit einer energetischen Sanierung auf Dauer Ihre Energiekosten drastisch senken. Allein bei Fenstern und Fassaden gehen Experten von einem Einsparpotenzial von jeweils rund 25 Prozent aus.


Kosten und Finanzierung

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Die energetische Sanierung macht Übernahme und Umbau eines ererbten, überschriebenen oder gekauften älteren Bestandshauses teuer – keine Frage. Sie ist aber aus mehreren Gründen notwendig und sinnvoll:

  • Bestimmte Maßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Die Sanierung bringt eine erhebliche Energiekostenersparnis.
  • Energetisch zu sanieren bedeutet eine Wertsteigerung des Objekts.
  • Maßnahmen zur Energieeinsparung und Umweltentlastung werden staatlich gefördert.

Sie sollten daher gleich im ersten Bauabschnitt nach Übernahme des Hauses alle energetischen Punkte abarbeiten, zumal das hinsichtlich der Bauabläufe effizient ist. Eine energetische Sanierung macht umfassende Eingriffe in die Bausubstanz erforderlich, die sinnvollerweise in der „schmutzigen“ Phase der Sanierung erledigt werden.

Für die Finanzierung energetischer Sanierungsmaßnahmen gibt es maßgeschneiderte Modernisierungskredite, bei denen sich alle Aspekte wie benötigte Summe, Laufzeit des Kredits, Zinshöhe, monatlicher Abtrag und Dauer der Zinsbindung individuell bestimmen lassen. Die Heimatexperten der Schwäbisch Hall entwickeln gemeinsam mit Ihnen Ihr persönliches Finanzierungskonzept und berücksichtigen dabei auch die zahlreichen Fördermöglichkeiten, die zum Beispiel die KfW-Bank und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bereithalten.

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