Kompaktwissen "Heizkosten sparen"

Heizung und Warmwasser verschlingen etwa 90 Prozent des Energieverbrauchs im Haus. Mit diesen Kurztipps für Verbraucher und Hausbesitzer senken Sie spürbar Ihre Heizkosten.


Verbraucher-Tipps & Tipps für Hausbesitzer

Die Kompaktwissen-Kurztipps zum Sparen von Heizkosten sind in zwei Kategorien eingeteilt:

  • Verbraucher-Tipps zum schnellen Einsparen im Haus, die sich schnell und mit geringem (oder gar keinem) Aufwand umsetzen lassen („Quick Wins“)
  • Tipps für Hausbesitzer zur Optimierung und/oder Modernisierung von Heizungsanlagen oder Heizungselementen im Haus, die zwar zunächst Aufwand und Investitionen erfordern, sich aber langfristig durch Kosteneinsparungen amortisieren

1. Heizungs-Spartipps für Verbraucher

  • Raumtemperatur regeln

    • Thermostatventile zur präzisen Regelung der Raumtemperatur einsetzen (falls nicht vorhanden, unbedingt installieren - am besten programmierbare Versionen!)
    • Raumtemperatur möglichst ideal und konstant einstellen; Thermostate nie zur schnellen Raumerwärmung voll aufdrehen, nach Möglichkeit Programmierungsfunktionen nutzen
    • Faustregel: jedes Grad Temperaturabsenkung spart bis zu sechs Prozent Heizkosten
    • Räume bedarfsgerecht heizen: Wohnräume = 20 Grad, Bad = 23 Grad, Kinderzimmer = 22 Grad, Schlafzimmer/Küche = 16 Grad, ungenutzte Räume, Flure, Dielen o.ä. = 15 Grad
    • Raumtemperatur nachts um mindestens 5 Grad absenken (zentrale automatische Nachtabsenkung oder programmierbare Heizkörperthermostate)
    • Raumtemperatur ggf. mit Thermometern überwachen
    • Räume nie komplett auskühlen lassen, sondern immer auf mindestens 15 Grad halten
    • Bei Raumtemperaturen unter 12 Grad droht Schimmelbefall
    • Falls niemand im Haus ist, Nachtabsenkung auf 15 °C auch tagsüber nutzen
    • Über Nacht Fenster möglichst geschlossen halten
    • Türen zu wenig beheizten Zimmern schließen (insbesondere im Winter)
    • Während des Urlaubs Heizungen auf ca. 15 Grad stellen, nicht komplett herunterfahren
     
  • Richtig lüften

    • Luftaustausch durch kurze, wirksame Stoßlüftungen
    • Ideale Lüftungsfrequenz: mindestens zweimal, höchstens viermal pro Tag
    • Empfohlene Stoßlüftungszeiten: im Frühling/Sommer 20-30 Minuten, im Herbst/Winter 12-6 Minuten
    • Auf keinen Fall Fenster in Dauerkippstellung
    • Durchzug steigert die Lüftungswirkung
    • Heizkörper (Thermostate) vor und während des Lüftens runterdrehen
    • Räume auf keinen Fall auskühlen lassen (wg. drohender Schimmelbildung, s.o.)
    • Lüftungsbedarf im Zweifelsfall mit Thermohygrometern ermitteln
    • Nach Bad/Dusche besteht wg. Feuchtigkeit erhöhter Lüftungsbedarf
     
  • Warmwasser sparen

    • Warmwasser(vorlauf)temperatur muß nicht höher als 60°C eingestellt werden (Mindesttemperatur für die Abtötung von Legionellen)
    • Duschen statt baden (enorme Wasserersparnis)
    • Duschwassertemperatur richtig einstellen (etwa auf Körpertemperatur, max. bis 40 Grad)
    • Sparduschkopf/Perlstrahler (mischt Wasser mehr Luft bei) und/oder Durchflussbegrenzer verwenden
    • Hände lieber mit kaltem Wasser waschen (Seife wirkt auch bei kaltem Wasser)
     
  • Dämmung & Dichtung beachten

    • Warmwasserführende Leitungen müssen wärmegedämmt sein, vor allem, wenn sie durch ungeheizte Räume (Keller!) führen; einfache Rohrisolierungen (Rohrschalen) aus dem Baumarkt sind leicht anzubringen und helfen bereits
    • Dämmung der Hausinnenwand hinter den Heizkörpern (Heizkörpernische); eine einfache Dämmungslösung (z.B. dünne Dämmplatten aus Styropor mit Aluminiumkaschierung) ist bereits sehr effektiv
    • Rollläden und Vorhänge nachts (oder auch tagsüber bei Abwesenheit) schließen
    • Rolladenkästen isolieren (mit speziellen Dämmmatten)
    • Fenster und Türen gegen Zugluft abdichten; einfache selbstklebende Lösungen (Isolierbänder, Bürstendichtungen, Zugluftstopper o.ä.) aus dem Baumarkt helfen bereits
    • Undichtigkeiten/Zugluft dabei notfalls mit brennender Kerze ermitteln
    • Poröse Kunststoffdichtungen in Fenstern und Türen sorgfältig mit Schaumdichtungsband oder Gummidichtungen füllen
    • Bei älteren Doppelkastenfenstern nur die inneren Fensterflügel abdichten, andernfalls kondensiert Wasser im Scheibenzwischenraum
    • Teppiche haben nominal zwar nur eine geringe Dämmwirkung, beeinflussen dafür aber in positiver Weise das subjektive Kälteempfinden - wer sich warm fühlt, schaltet eher die Heizung herunter.
     
  • Heizkörper „befreien“

    • Heizkörper müssen die Wärme frei in den Raum abgeben können, deshalb diese nicht mit Gardinen, Vorhängen oder Möbeln abdecken bzw. zustellen
    • Heizkörper regelmäßig entlüften, sobald die Heizwirkung nachlässt, Teile des Heizkörpers selbst unter Vollast kalt bleiben oder gluckernde Geräusche hörbar sind. Entlüftet wird mit einem kleinen Spezialschlüssel (aus dem Baumarkt) über das dafür vorgesehene Entlüftungsventil - solange, bis nach der Luft die erste Flüssigkeit austritt.
    • Wird bei der Entlüftung sehr viel Luft abgelassen, muss möglicherweise in der Heizungsanlage Wasser nachgefüllt werden (im Zweifelsfall Druck kontrollieren lassen)
    • Dezentrale Heizungslüfter, Elektro-Öfen und Radiatoren nur im absoluten Notfall verwenden - elektrisches Heizen - vor allem im Dauerbetrieb - ist extrem teuer
     

2. Heizungs-Optimierungstipps für Hausbesitzer

  • Allgemeine Tipps

    • Verbrauchswerte regelmäßig messen und analysieren, mit kommunalem Heizspiegel vergleichen
    • Heizgutachten erstellen lassen
    • Heizung regelmäßig vom Fachmann prüfen und in empfohlenen Intervallen (mindestens einmal jährlich) warten lassen
    • Konditionen der Heizversorger vergleichen und günstigsten Versorger suchen
    • Heizsysteme vergleichen, statt fälliger Modernisierung des aktuellen Heizsystems Wechsel in Erwägung ziehen
    • Ergänzungstechnologien beobachten und ggf. bestehendes Heizsystem sinnvoll erweitern (z.B. mit Solaranlage)
    • Bei jeder Investition die Beantragung von staatlichen Fördermitteln prüfen
    • Energieberater konsultieren
     
  • Praktische Maßnahmen (vom Fachmann oder mindestens mit fachlicher Beratung umzusetzen)

    • Hydraulischen Abgleich vornehmen: optimale Einstellung aller Heizungssystemelemente für gleichmäßige Versorgung, individuell abgestimmt auf den Gebäudebedarf
    • Heizkessel tauschen (empfohlen nach 15 Jahren); moderne Brennwertkessel sind hierbei den Standard-Kesseln vorzuziehen
    • Heizungspumpe gegen modernes, hocheffizientes Modell ersetzen, das seine Leistung dynamisch dem tatsächlichen Bedarf anpasst
    • Heizungsrohre professionell dämmen
    • Warmwasser-Zirkulationspumpe einbauen, wenn die Wasserentnahmestellen (=Wasserhähne) mehr als 15 Meter Rohrlänge vom zentralen Wasserspeicher entfernt sind
    • Wärmemengenzähler ergänzen, um die Wärmeströme zu erfassen, den Nutzungsgrad der Heizanlage zu ermitteln und den Effizienzgrad zu steigern
    • Warmwasserspeicher zusätzlich dämmen: eine zusätzliche Isolierung des zentralen Warmwasserspeichers minimiert Standverluste (insbesondere in schlecht isolierten Kellerumgebungen)
     

Wissenswertes zum Thema EnEV

EnEV 2014: Was steckt dahinter? Was ändert sich 2016?

Seit 2002 schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) Bauherren  bautechnische Standardanforderungen zum effizienten Energiebedarf ihres Gebäudes oder Bauprojektes vor. Nach der EnEV-Novelle von 2014 erhöht diese Verordnung 2016 den energetischen Standard erneut.

Heizkessel-Pflichtaustausch, Energieausweis & mehr: Alles zur EnEV

Thermografie eines Stadthauses
(Quelle: Ingo Bartussek - Fotolia)