Solarstrom: Aussichten weiter sonnig

Die Vergütung für Solarstrom wurde gekürzt, die Förderung für Solarheizungen eingeschränkt. Aber auch bei reduzierten Fördersätzen kann sich die Investition in die Sonne lohnen.


Solaranlagen

Der Juli 2010 hat zwar jede Menge Sonnenschein und Rekordtemperaturen gebracht, für die Solarenergie in Deutschland war es allerdings kein wirklich guter Monat. Die lange diskutierten Kürzungen bei der Solarstromförderung wurden Anfang Juli verabschiedet und traten rückwirkend zum 1. Juli in Kraft: Sonnenstrom aus neu installierten Photovoltaikanlagen auf privaten Hausdächern wird seitdem „nur“ noch mit 34,05 Cent pro Kilowattstunde (kWh) vergütet, ab Oktober erfolgt eine weitere Absenkung auf 33,03 Cent.

Da eine erste Kürzung bereits Anfang 2010 wirksam geworden war, liegt die Vergütung ab Oktober um rund 10 Cent niedriger als noch vor einem Jahr. Wie bisher ist die Vergütung, die zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anlage gilt, für die Dauer von 20 Jahren gesetzlich garantiert.


Zuschüsse für thermische Solaranlagen

Auch bei den Zuschüssen für thermische Solaranlagen, die Wärme für Heizung und Warmwasserbereitung liefern, gibt es seit Juli 2010 Einschränkungen. Die mehrmonatige Haushaltssperre für das bundesweite Marktanreizprogramm für erneuerbare Energie wurde zwar aufgehoben, gleichzeitig gab es aber drei wesentliche Änderungen bei der Solarförderung: Für Anlagen, die nur der Trinkwassererwärmung dienen,  wurden die Zuschüsse komplett gestrichen.

Für größere Systeme zur kombinierten Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung gibt es statt 105 Euro nur noch 90 Euro Zuschuss je Quadratmeter Kollektorfläche. Zudem wird nur noch die Installation von Solarheizungen in bestehenden Gebäuden gefördert, bei Neubauten hingegen nicht mehr.


Strom aus Solaranlagen soll wettbewerbsfähig werden

 

Vor allem die schnelle Zurückführung der Solarstromvergütung bedeutet eine Zäsur in der Förderpolitik des Bundes. Statt Anreize für den schnellen Ausbau der Solarkapazitäten zu geben, liegt die Priorität darauf,  Solarstrom wettbewerbsfähig zu machen. Die Solarwirtschaft hält das Tempo, in dem die Vergütung reduziert wird, zwar für überzogen, unterstützt den Weg aber grundsätzlich.

„Deutschlands Solarindustrie steht nun vor der großen Herausforderung, die Kosten für die Produktion von Solarzellen und anderen Solarkomponenten noch schneller zu senken und gleichzeitig die Wirkungsgrade und die Qualität weiter zu steigern“, kommentiert Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar).


Solarstrom selbst verbrauchen

Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist auch bei netzgekoppelten Anlagen möglich. Der von den Photovoltaikmodulen (1) erzeugte Gleichstrom wird über einen Wechselrichter (2) umgewandelt und von einem Einspeisezähler (3) erfasst.

Der Solarstrom wird zunächst für den aktuellen Bedarf im Haus (4) eingesetzt, die überschüssige Menge wird ins Netz (6) eingespeist. Wird mehr Strom benötigt, als die Photovoltaikanlage aktuell liefert, wird dieser aus dem Netz (6) bezogen.

Um die Menge des selbst verbrauchten Stroms erfassen zu können, ist ein zusätzlicher Zähler oder der Austausch des bisherigen Strombezugszählers gegen einen Zweirichtungszähler (5) erforderlich.

Grafik zur Solaranlage zum Eigenverbrauch bei netzgekoppelten Anlagen
Schemaskizze: Eigenverbrauch von Solarstrom (Quelle: Eigentümer/Ersteller)

Zweiter Zähler erforderlich

 

Bereits seit 2006 sind die Preise für Solarstromanlagen um gut 40 Prozent gesunken. Mitte 2010 musste man pro Kilowatt Leistung mit Kosten von rund 2.900 Euro rechnen; 2006 waren es  5.000 Euro und Anfang des Jahres 2009 immer noch 4.000 Euro. Trotz der aktuellen Kürzungen bleibt die Investition in eine Photovoltaikanlage für private Hausbesitzer daher weiter attraktiv.  

Zweistellige Renditen gehören zwar der Vergangenheit an, fünf bis neun Prozent Rendite auf das eingesetzte Kapital sind aber zum Beispiel nach Einschätzung der Zeitschrift Finanztest (8/2010) weiterhin realistisch. Grober Anhaltspunkt für eine erste Kosten-Nutzen-Rechnung: Den Kosten von 2.900 Euro je Kilowatt Leistung stehen an einem durchschnittlichen Standort jährliche Erträge von etwa 900 kWh gegenüber. Bei 33,03 Cent Vergütung erhält man  für den eingespeisten Solarstrom in 20 Jahren insgesamt rund 6.000 Euro.


Preisrückgang macht Solaranlagen weiter rentabel

Zunehmend attraktiver wird der Eigenverbrauch des produzierten Solarstroms. Auch dafür gibt es bei neuen Anlagen seit 2009 eine Vergütung, die bei 17,67 Cent je kWh liegt. Zusammen mit den eingesparten Kosten für den Strombezug ergibt sich gegenüber der Netzeinspeisung unterm Strich ein spürbares Plus; der BSW-Solar hat hier bei einem angenommenen Strompreis von 20 Cent einen Vorteil von 3,62 Cent je kWh errechnet.

Noch lukrativer wird es, wenn ein Anteil von mehr als 30 Prozent des Solarstroms selbst verbraucht wird. In diesem Fall steigt die Vergütung. In den Genuss dieser erhöhten Vergütung für selbst genutzten Solarstrom kommen allerdings nur Anlagen, die ab 1. Juli 2010 installiert wurden.

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