Sonnenhaus im Allgäu

Aus einem typischen Haus der 1970er Jahre hat Familie Borger ein modernes Niedrigenergiehaus gezaubert - mit allem Drum und Dran.


Aus der "Schönheitskur" wurde ein aufwendiges Wellness- und Energiesparpaket

"Meine Schwiegereltern fanden das Haus entsetzlich und mein Ehemann auch", erinnert sich Borger. Schließlich gab sie nach. Und im Laufe des Jahres 2005 trat das Ehepaar beim Architekten Wolfgang Ries mit Ideen und Skizzen zu ersten Sondierungsgesprächen an. „Ich hätte auch noch etwas länger nur mit den ‚inneren Werten‘ leben können“, sagt die quirlige Erzieherin mit dem Lockenschopf leicht trotzig – wohl auch an die Kosten denkend, die auf die Familie zukommen sollten: Aus der vorgezogenen Schönheitskur wurde ein aufwendiges Wellness- und Energiesparpaket fürs Haus.

Zunächst zum Inneren des einst tristen Gebäudes – oder besser: zur "Bauphase eins", wie Borger den Beginn der umfangreichen Bestandssanierung nennt. Alle Bäder ließ die Familie neu machen, eine neue Massivholztreppe ersetzt nun die alte aus Stein mit PVC-Belag, die komplette Elektrik wurde erneuert und abgesichert, hinzu kamen eine neue Küche sowie Fliesenleger- und Maurerarbeiten. Auch die Durchreiche, die praktische Öffnung von der Küche zum Esszimmer hin, entstand schon in der ersten Phase. Die Idee dazu hatte Ursula Borger selbst.


Zweite Bauphase im Winter

Die zweite Phase fiel in den schneereichen Winter 2005/2006. "Wir wohnten ja bereits mit dem damals einjährigen Paul in dem Haus", sagt Borger, "und dann kam der Schnee. Viel Schnee. Bei offenem Dach und nicht geschlossenem Wintergarten." Folien mussten zeitweise das Dach ersetzen. Und die Arbeiten zogen sich hin. Das Haus erhielt eine 30 Zentimeter dicke Dämmung, die alten Fenster wichen neuen, dazu kamen ein großer Wintergarten im Erdgeschoss sowie die Verglasung des ehemaligen Balkons im Obergeschoss.

Diese beiden Sonnenräume sorgen für viel Wärme und auch viel Licht, da ihre großen Fensterflächen gen Südwesten ausgerichtet sind. Doch nicht nur durch die großzügigen Verglasungen sparen die Borgers eine Menge Energie – sie installierten auch noch andere moderne Energiesparhelfer: Solarkollektoren auf dem Dach werden für die Warmwasseraufbereitung genutzt (mit "Riesenspeicher im Keller"), und statt mit der alten Ölheizung heizen die Borgers nun mit Pellets oder einem Kaminofen mit Außenrohr.  


Ausführlichere Informationen zum Sonnenhaus

Für frische Luft im Haus und ein stets angenehmes Raumklima sorgt eine zentral steuerbare Lüftungsanlage. Selbst das Leitungswasser ist immer frisch gefiltert. Wohl einer der Gründe, warum Ursula Borger das Hightech-Gerät im Keller "den Mercedes unter den Heizungsanlagen" nennt.

  • Bauvorhaben

    Renovierung, Sanierung und Umbau eines Wohngebäudes (Baujahr 1971) zu einem energieeffizienten, optisch ansprechenden, neuwertigen Einfamilienhaus: u. a. neue Dämmung, neue Fenster, Verglasungen (Wintergarten, Balkon), neues Heiz-, Lüftungs- und Frischwassersystem, Warmwasseraufbereitung durch Solarenergie

     
  • Fakten

    ca. 250 m2 Wohnfläche, ca. 750 m2 Grundstück, Investitionssumme: 280.000 Euro

     
  • Beteiligte Firmen

    u. a. Architekturbüro Ries, Heizungsbau Reitzle

     
  • "Energiesparwunder"

    Hier ein paar Fakten, die zeigen, wie viel die Familie Borger an Energie und Kosten einspart.

    • Der jährliche Primärenergiebedarf konnte durch die Sanierung von 376,0 kWh/m2a auf 35,4 kWh/m2a gesenkt werden. Der alte Wert entspricht einem Jahresbedarf von circa 37 Litern Heizöl pro Quadratmeter.
    • Durch umfassende Energiesparmaßnahmen (zum Beispiel Komplettdämmung, Lüftungsanlage, Fenster und Glasfronten) wurde der sogenannte Transmissionswärmeverlust von 1,19 W/m2K auf 0,33 W/m2K reduziert.
    • Gesamteinsparung: pro Jahr 91 Prozent der Primärenergie sowie 22 Tonnen CO2