Wärmelecks auf der Spur

Eine Thermografie kann eine sinnvolle Ergänzung zu einer energetischen Gebäudeanalyse sein - wenn sie richtig durchgeführt und kompetent ausgewertet wird.


Rote Bereiche bei der Thermografie = Energieverlust

Wärmelecks: Erstellen einer Therografie von Energieberater Jens Weyers und Architekt Hans-Jörg Peters
Energieberater Jens Weyers und Architekt Hans-Jörg Peter beim Erstellen einer Thermografie (Foto: A. Haug/www.weyers-architekten.de)

Bei einer Thermografie wird mit einer Infrarotkamera die Temperatur von Oberflächen ermittelt und anschließend farblich dargestellt. So entstehen schöne bunte Bilder von Häusern: Warme Bereiche von Fassade, Dach und Fenster zeigen rötliche Farben, kältere Bereiche sind blau, Zwischenwerte gehen von Orange über Gelb bis zu Grün. Auf diese Weise erhält der Hauseigentümer eine wichtige Information: Wo sich Rot zeigt, gelangt Wärme ins Freie, und das bedeutet Energieverluste. Wärmebrücken und undichte Stellen an der Gebäudehülle lassen sich auf diese Weise optisch gut darstellen.

Doch so schön die Bilder auch sind, nicht in jedem Sanierungsfall sind sie wirklich notwendig. Und vor allem: Betrachtet man die Fotos isoliert, ist ihre Aussagekraft oft gering. Nach Ansicht von Jens Müller, dem Vorsitzenden des Verbands der Energieberater, wird sie häufig überschätzt. „Ich kann nur davor warnen, Aufnahmen machen zu lassen und dann zu glauben, daran könne man alles ablesen, was man für die Wärmedämmung wissen muss.“ Ein Wärmebild könne nur in Zusammenhang mit einer genauen Analyse der Bausubstanz eine aussagekräftige Hilfe sein. Oft sei eine Schwachstellenanalyse mit einem Blower-Door-Test sogar hilfreicher, da dieser Undichtigkeiten in der Gebäudehülle unmittelbar aufdecken.


Interpretation der Thermografien durch Experten

Das sieht der Vorsitzende des Bundesverbands Gebäudeenergieberater, Fred Weigl, ähnlich: „Wärmebilder sind ein absolut wichtiges Instrument“, sagt er, doch sie könnten „immer nur eine Ergänzung“ sein. Sinnvoll sei der Einsatz etwa, wenn es gelte, einen mehrschichtigen Wandaufbau zu analysieren.

Zudem nützt das schönste Bild wenig, wenn kein Experte verfügbar ist, der daraus die entscheidenden Informationen für das Gebäude ableiten kann. Wenn der Laie sich also eine Kamera ausleiht, kommt er mit dem Resultat häufig nicht weiter. „Die Deutung der Fotos erfordert einiges an Know-how“, heißt es daher auch bei der Firma Infratec, einem Hersteller von Thermografiekameras. Vor der Sanierung ist ein Wärmebild zwar häufig sinnvoll, aber nicht notwendig – unschlagbar ist es allerdings, wenn es nach der Sanierung um Gewährleistungsansprüche geht. Denn versteckte Mängel sind oft gar nicht anders zu dokumentieren.

Wärmebilder sind ein absolut wichtiges Instrument, doch sie könnten immer nur eine Ergänzung sein.


So finden Sie einen Energieberater

Wärmelecks auf der Spur: Thermografie
Vorher/nachher: Der Vergleich der Thermografien zeigt, dass die Wärmeverluste durch die Sanierung deutlich reduziert werden konnten. Aufnahmen vom modernisierten Gebäude sind eine wichtige Qualitätskontrolle (Fotos: InfraTec.net)

Wo findet man nun einen Energieberater in der Region, der Thermografieaufnahmen machen kann? Die Suche beginnt man am besten im Internet unter www.energieberater-datenbank.de oder www.deutsches-energieberaternetzwerk.de. Dort nämlich lassen sich für jeden Ort in Deutschland die Berater im Umland ermitteln. Zwar machen nicht alle selbst Wärmebilder, aber bei Bedarf ziehen sie einen entsprechenden Experten hinzu. Die Kosten pro Bild liegen bei rund 100 Euro – wenn man sich einen kompetenten Berater holt. Und mindestens vier Bilder seien in der Regel nötig, um einigermaßen aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, heißt es beim Verband der Energieberater.

Da die Aufnahmen ein Sanierungsvorhaben oft sinnvoll ergänzen können, bezahlt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen einer umfassenden Energieberatung einen Zuschuss in Höhe von 25 Euro pro Thermogramm (für maximal vier Bilder).


Entscheidend: der richtige Zeitpunkt für die Aufnahmen

Wichtig ist es, für die Aufnahmen den richtigen Zeitpunkt zu wählen, denn auch davon hängt deren Qualität ab. Um ein aussagekräftiges Bild zu bekommen, muss dieses unbedingt während der Heizperiode aufgenommen werden. „Am besten morgens vor Sonnenaufgang im Winter“, sagt Energieberater Müller. Denn jede Sonneneinstrahlung verfälscht das Ergebnis. Ebenfalls wichtig: eine möglichst große Temperaturdifferenz zwischen Innenraum und Außenluft.

Experten raten, erst bei Außentemperaturen unter fünf Grad Wärmebilder zu machen. Es sollte zudem nicht regnen, und der Hauseigentümer sollte wissen, wann die Aufnahme gemacht wird. Denn für ein aussagekräftiges Bild muss der Bewohner mithelfen – zum Beispiel indem er die Nachtabsenkung der Heizung einmal aussetzt.