Aktuelle Baupreise – steigen oder fallen die Hausbaukosten?

  • Aktueller Baupreis-Ticker
  • Das sind die Preistreiber
  • Bauen trotz steigender Baupreise

Die Baupreise in Deutschland sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Hier finden Sie einen aktuellen Überblick zur Baupreisentwicklung plus Tipps, wie Bauwillige trotz steigender Baupreise dennoch ihre Traumimmobilie realisieren können.

+++ Newsticker: Neueste Entwicklungen der Baupreise +++

Lesen Sie hier die wichtigsten aktuellen Nachrichten, Studien und Prognosen zur Baupreisentwicklung in Deutschland. 

Weniger Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser

Juli 2022: Laut Statistischem Bundesamt wurden von Januar bis Mai 2022 fast 18 Prozent weniger Einfamilienhäuser genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Dagegen gab es bei den Zweifamilienhäusern einen Anstieg der genehmigten Wohnungen um 2,1 Prozent und bei den Mehrfamilienhäusern um 9,1 Prozent.

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Zahlreiche Stornierungen von Bauprojekten

Juli 2022: Einen starken Rückgang verzeichnete das Baugewerbe insgesamt. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts wurden im Juni diesen Jahres im Hochbau 11,5 Prozent aller Projekte storniert. Auch beim Tiefbau registrierten die an der Umfrage beteiligten Firmen einen Auftragsstopp von 9 Prozent. Grund dafür waren vor allem Lieferengpässe bei den Baumaterialien und hohe Baupreise.

                              

Der Baupreisindex im Jahresvergleich Der Baupreisindex im Jahresvergleich (Quelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall)

Baupreisanstieg: + 17,6 Prozent

Juli 2022: Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden in Deutschland sind im Mai 2022 um 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt sei dies der höchste Anstieg der Baupreise gegenüber einem Vorjahr seit Mai 1970.

Im Februar 2022 waren die Preise im Vorjahresvergleich um 14,3 Prozent gestiegen (siehe Tabelle unten). Von Februar 2022 bis Mai 2022 erhöhten sich die Baupreise um 6,6 Prozent.


Baupreisanstieg auch auf regionaler Ebene

Juni 2022: Der deutliche Anstieg der Baupreise setzt sich fort. Für den Mai 2022 meldeten diverse statistische Landesämter durchweg eine Verteuerung der Baupreise im zweistelligen Bereich.

Preisindex für Wohngebäude / Bauleistungen am Bauwerk (Mai 2022)

  • Bayern: +17,3 Prozent
  • Berlin: + 17,8 Prozent
  • Brandenburg: + 19,4 Prozent
  • Nordrhein-Westfalen: + 16,1 Prozent
  • Sachsen-Anhalt: +17,2 Prozent
  • Thüringen: + 23,2 Prozent

Quelle: Statistische Landesämter

Einige Landesregierungen reagieren auf den rasanten Preisanstieg. So erhöhte beispielsweise der Freistaat Sachsen innerhalb seines Förderprogramms "Familienwohnen" die Obergrenzen der Gesamtausgaben für einen Zwei-Personen Haushalt drastisch von 300.000 Euro auf 425.000 Euro.


Zweistelliger Anstieg der Baupreise

April 2022: Die Preise beim Neubau von Wohngebäuden in Deutschland sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat um 14,3 Prozent gestiegen.

Die größten Preistreiber bei Rohbauarbeiten und Ausbauarbeiten waren demnach:

Bauleistung Anstieg in Prozent
Zimmer- und Holzbauarbeiten 33,9 Prozent
Metallbauarbeiten 19,1 Prozent
Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten 18,7 Prozent
Entwässerungskanalarbeiten 18,6 Prozent
Klempnerarbeiten 18,1 Prozent
Tischlerarbeiten 16,4 Prozent
Estricharbeiten 16,0 Prozent
Betonarbeiten 14,5 Prozent


Stärkster je gemessener Preisanstieg bei Baumaterialien

Februar 2022: Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind die Erzeugerpreise für einzelne Baustoffe wie Holz und Stahl im Jahresdurchschnitt 2021 so stark angesteigen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

Demnach verteuerte sich Konstruktionsvollholz um 77,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt. Bei Dachlatten lag der Preisanstieg bei 65,1 Prozent, bei Bauholz bei 61,4 Prozent. Selbst die Preise für Spanplatten, für die in der Regel das Abfallprodukt Sägespäne genutzt wird, stiegen um 23 Prozent.

Neben den Holzpreisen zogen auch die Stahlpreise kräftig an. Betonstahl in Stäben war im Jahresdurchschnitt 2021 um 53,2 Prozent teurer, Betonstahlmatten kosteten 52,8 Prozent mehr als 2020. Auch Metalle verteuerten sich 2021 um 25,4 Prozent, was direkte Auswirkungen auf den Heizungsbau oder bei Elektroinstallationen hat.

Wie außergewöhnlich hoch die Preissteigerungen bei Baumaterialien waren, zeigt sich im Gesamtvergleich: Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte insgesamt legte im Jahresdurchschnitt 2021 nur um 10,5 Prozent gegenüber 2020 zu.

Aktuelle Baupreise: Baukosten pro Quadratmeter

Hausbau im Rohbau mit Ziegel und Dachstuhl
Die Baukosten pro Quadratmeter sind in den letzten Jahren stark angestiegen. (Quelle: Wolfilser - stock.adobe.com)

Die Baukosten sind in Deutschland nicht überall gleich hoch. Ein identisches Einfamilienhaus zu bauen kostet in der Großstadt mehr als auf dem Land. Auch im Vergleich zwischen den Bundesländern sind die Baupreise ganz unterschiedlich.

Das liegt zum einen an Transportwegen und der (örtlichen) Verfügbarkeit von Baustoffen, aber auch am unterschiedlichen Lohnniveau. Nach den letzten Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2020 lagen die durchschnittlichen Baukosten pro Quadratmeter in Deutschland bei 1.920 Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 betrugen die Baukosten pro qm im Schnitt 1.233 Euro.

Das entsprach über zwanzig Jahre einem Preisanstieg der Baukosten um rund 55 Prozent. Diese Teuerungsrate bei den Baukosten pro Quadratmeter hat sich in den letzten Jahren verschärft. Legt man den Baupreisindex zugrunde (siehe dazu auch die Meldungen oben), so sind allein innerhalb eines Jahres die Baukosten um 14,3 Prozent gestiegen. Nach dieser Rechnung lägen die derzeitigen Baukosten pro Quadratmeter bei knapp 2.200 Euro bundesweit.


Was gehört alles zum Baupreis?

Der eigentliche Baupreis eines Hauses setzt sich aus verschiedenen Kostenfeldern zusammen. Für den Baupreisindex sind nur die sogenannten Bauwerkskosten relevant. Das sind die Kosten für die allgemeinen Bauarbeiten (Rohbau und Ausbau) inklusive Einrichten der Baustelle und Abbrucharbeiten.

Zur Ermittlung der kompletten Baukosten kommen dann noch folgende Posten hinzu:

  • Grundstückskosten: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kostete 2020 ein Quadratmeter baureifes Land im Bundesdurchschnitt rund 199 Euro. Wobei die regionalen Unterschiede der Grundstückspreise enorm sind. Denn wer in Hamburg bauen wollte, zahlte dafür rund 1.128 Euro pro Quadratmeter Bauland. In Sachsen-Anhalt waren es gerade mal 45,64 Euro pro Quadratmeter.
  • Erwerbsnebenkosten: Dazu gehören unter anderem die Maklercourtage, Notarkosten und Grunderwerbsteuer. Die Erwerbsnebenkosten werden häufig unterschätzt, können aber bis zu 15 Prozent des Kaufpreises ausmachen.
  • Erschließungs- und Herrichtungskosten: Die Kosten, die anfallen, um das Bauland baureif zu machen, sind die Erschließungskosten. Diese Kosten muss der Bauherr an die Kommune entrichten. Dazu zählen zum Beispiel der Anschluss an die Wasser- und Stromversorung, aber auch die Straßenbaubeiträge.
  • Baunebenkosten: Vom Einholen der Baugenehmigung über die Kosten für etwaige Bodengutachten bis hin zu den Vermessungskosten – auch die Baunebenkosten sind bei der Gesamtbetrachtung der Baukosten nicht zu unterschätzen.
  • Kosten für die Außenanlagen: Ob Garten anlegenTerrasse gestalten oder Caport oder Garage bauen, für die Außenanlagen eines Hauses werden in der Regel fünf Prozent der Baukosten einkalkuliert.
  • Einrichtungskosten: Diese gehören nicht unmittelbar zu den Baukosten. Trotzdem sollten Bauherren bei Ihrer Finanzplanung auch Posten wie eine neue Küche oder neues Mobiliar mit einberechnen.

Warum steigen die Baupreise?

Der rasante Anstieg der Baupreise hat mehrere Gründe:

  • Corona-Pandemie: Felix Leiss, Forscher am ifo-Institut, sieht die Pandemie in Kombination mit der Nachfrage als Preistreiber: "2021 entstanden durch die Verwerfungen der Corona-Pandemie Engpässe bei verschiedenen Baumaterialien. Diese angespannte Versorgungslage traf die Branche bei ungebrochener Nachfrage nach Bauleistungen und vollen Auftragsbüchern. Die Materialpreise stiegen in Folge der Knappheit teils drastisch“, so Leiss.
  • Ukraine-Krieg: Infolge des russischen Einmarsches in der Ukraine sind nicht nur die Lieferketten teils unterbrochen. Auch Vorprodukte wie zum Beispiel Metalle, die aus Russland geliefert werden, kommen auf heimischen Baustellen nur noch verzögert an.
  • Hohe Nachfrage: 129.306 neue Wohngebäude wurden 2021 laut dem Statischen Bundesamt (PDF) neu errichtet. Nur 2006 lag dieser Wert höher. Auch die internationale Bautätigkeit liegt auf einem hohen Niveau und lässt die Baupreise steigen.

Was sind die Preistreiber beim Baupreis?

Gleich zwei wichtige Einflussgrößen sind es, die die Baupreise verteuern. Zum einen wäre da der bereits erwähnte Anstieg der Preise für Baumaterialien (siehe Preisticker oben). 

Daneben haben sich aber auch die Bauleistungen selbst verteuert. Dazu Franz Eilers, Leiter der Immobilienmarktforschung bei vdpResearch: "Anders als 2021 wird die Umsatzsteuer 2022 keinen Einfluss auf den Preisverlauf nehmen. Aber die hohe Auslastung der Baukapazitäten gepaart mit einem Arbeitskräftemangel sowie steigende Material- und Energiepreise üben weiterhin einen erheblichen Druck aus". 

 

Arbeiter auf einer Baustelle verlädt Palette per Kran.
Neben den Baumaterialien haben sich auch die Bauleistungen erheblich verteuert. (Quelle: Kzenon - stock.adobe.com)

Wann sinken die Baupreise?

Höhere Kosten für Baumaterialien und Bauleistungen, eine hohe Bautätigkeit, dazu noch die Unwägbarkeiten der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges – ob und wann die Baupreise wieder sinken werden, lässt sich nur schwer prognostizieren. 

Allerdings gibt es auch Stimmen und erste Anzeichen die darauf hindeuten, dass die Baupreise mittelfristig auch wieder sinken könnten. Nach einer Meldung von finanzen100.de sind zum Beispiel die Preise für Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium im Juni 2022 teils um mehr als 20 Prozent gefallen. Das ist der höchste Preisverfall in diesem Sektor seit 2008. Allerdings waren die Metallpreise auch auf einem extrem hohen Niveau.

In absehbarer Zeit dürften die Baupreise aber auf einem hohen Niveau verharren. Umso wichtiger ist daher eine gute Bauplanung.


Traumimmobilie realisieren trotz steigender Baupreise

Arbeiter auf einer Baustelle beim Bau einer Mauer Mit einer guten Vorplanung lassen sich die Baukosten minimieren. (Quelle: Gina Sanders - stock.adobe.com)

Angesichts anhaltend hoher Baupreise ist es wichtig, schon bei der Planung des Hauses auf die größten Kostentreiber zu achten und gegebenenfalls zu minimieren.

7 Tipps, um die Baukosten zu senken

  1. Kleines Grundstück wählen: Angesichts der Baulandpreise liegt es sowieso auf der Hand, das Grundstück möglichst "passend" zu kaufen und zu planen. 
  2. Doppelhaus statt Einzelhaus: Weniger Außenfläche bedeutet geringere Energiekosten. Dazu noch gemeinsam genutzte Komponenten wie die Heizungsanlage – das alles macht eine Doppelhaushälfte im Bau um bis zu 25 Prozent günstiger als ein Einzelhaus.
  3. Keller weglassen: 50.000 Euro (und mehr, je nach Bauweise) bringt es an Ersparnis, ohne Keller zu bauen. Allerdings sollten dann alternative Hauswirtschaftsräume geplant werden.

4. Einfach bauen: Gauben, ausgefallene Dachformen, aufwändige Fassaden – jedes Extra kostet. Deshalb sollten sich Bauherren bei ihren Wünschen an möglichst schlichte, effektiv zu bauende Bauformen halten.

5. Effektive Grundrissplanung: Möglichst wenig Verkehrsflächen bei einem Maximum an nutzbarer Wohnfläche, das ist die Königsdisziplin bei der Grundrissplanung. Hier gilt es, möglichst detailgenau zu planen, denn neben den Kosten geht es hier auch um den Komfort.

6. Fertighaus statt Stein auf Stein: Der Anteil an Fertighäusern bei den genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern lag 2021 bei 23,1 Prozent, Tendenz steigend. Einer der Gründe dafür ist die gute Planbarkeit, sowohl was den Zeitaufwand als auch die Baukosten angeht.

7. Fördermittel checken: Der Staat stellt Fördermittel beim Neubau bereit. Aber auch auf regionaler/lokaler Ebene werden Bauherren häufig unterstützt. 


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