Wohnflächen per Wanddurchbruch neu gestalten

Serie Generationenwechsel, Folge 7: Wer das Haus der Eltern oder Großeltern übernimmt oder eine Bestandsimmobilie erwirbt, steht oft vor einem Problem: Die vorhandene Raumaufteilung entspricht nicht modernen Bedürfnissen. Lesen Sie hier, wie Sie mittels Wanddurchbruch in einem verwinkelten Haus mit kleinen Zimmern moderne Wohnflächen gestalten!


Modernes Wohnen im älteren Haus

Häuser aus den 60er- und 70er-Jahren haben oft viele kleine Zimmer und kleine Küchen – damals entsprach das der Vorstellung, wie eine moderne Familie lebt. Heute sind andere Raumaufteilungen angesagt: Die Familien sind kleiner, die Wohnansprüche haben sich verändert. Viele Eigentümer, die ein Haus von der älteren Generation übernehmen, wollen daher nicht nur modernisieren und sanieren, sondern auch die Zimmeraufteilung verändern, selbst wenn sie dafür tragende Wände entfernen lassen müssen.

Machen Sie doch einfach einen neuen Plan für Ihr Haus: Zeichnen Sie in eine Kopie des Bauplans ein, wie Sie sich eine moderne Raumaufteilung vorstellen. Gibt es keinen Plan, fertigen Sie auf Karopapier eine ungefähr maßstabsgetreue Zeichnung an und entwerfen auf dieser Basis den neuen Grundriss. Hat Ihre Wunschvorstellung Gestalt angenommen, kümmern Sie sich um die Realisierbarkeit.

Je nach Bundesland und Bauordnung sind grundlegende Eingriffe in die Bausubstanz genehmigungspflichtig. Wenn Sie eine ältere Immobilie grundsanieren, ist ohnehin fast immer die Begleitung des Projektes durch einen Architekten sinnvoll. Das gilt insbesondere bei den geplanten Änderungen der Raumaufteilung. Machen Sie am besten zusammen mit dem Experten einen Gesamtplan, wie Sie die Immobilie verändern wollen. Wann die einzelnen Gewerke umgesetzt werden und was Sie daran selbst ausführen können, lässt sich dann jeweils aktuell entscheiden. Die Betreuung durch den Architekten ist auch sinnvoll, um alle geltenden Vorschriften einzuhalten und gegebenenfalls Fördergelder zu nutzen.


Neue Wohnflächen gestalten

Hier präsentieren wir einige Ideen, wie Sie mit einem Wanddurchbruch mehr Platz und Offenheit schaffen:

  • Offene Küche: Die offene Küche ist nach wie vor ein Megatrend. Gerade in Häusern aus den 60er-Jahren ist die Küche oftmals eine dunkle, schmale Zeile, in der nicht einmal für eine kleine Essecke Platz ist. Heute herrscht eine andere Wohnkultur – vielleicht möchten Sie gemeinsam mit Ihren Gästen kochen oder sich zwischen Küche und Essbereich unterhalten können. Der Wanddurchbruch schafft Platz für eine Küche, die zum Ess- oder Wohnzimmer offen ist. In Altbauhäusern gibt es manchmal noch eine Speisekammer, die heute nicht mehr benötigt wird. Diese Fläche lässt sich meist gut in die größere Küche integrieren.
  • Wanddurchbruch im Flur: Alte Häuser haben oft einen langen, schmalen Flur, von dem die Zimmer abgehen. Mit einem Wanddurchbruch – entweder zu einem kleinen Zimmer oder zum Wohnzimmer hin – können Sie den Flur in den Wohnbereich integrieren. Der Flur erhält mehr Licht und lässt sich schöner gestalten.
  • Gästebereich statt kleiner Zimmer: Gäste freuen sich über ein eigenes Bad. Daher bietet es sich an, aus kleinen Zimmern ein größeres Zimmer mit einem eigenen Bad zu gestalten. So haben Verwandte oder Freunde ihren eigenen Bereich, wenn sie zu Besuch sind. Wegen der Wasser- und Abwasserleitungen sollte ein zusätzliches Bad von einem Fachbetrieb geplant werden.
  • Wellness im Badezimmer: Ein großes Manko alter Häuser: Das Bad ist zu klein. Im modernen Bad wollen Sie sich wohlfühlen; ein enges, kleines Bad – womöglich ohne Tageslicht – lässt kein Wellness-Gefühl aufkommen. Außerdem benötigen moderne Sanitäreinrichtungen wie die getrennte Dusche oder zwei Waschbecken mehr Platz. Mit einem Wanddurchbruch vergrößern Sie Ihr Badezimmer und sorgen je nach Lage für besseres Licht.
  • Nutzung des Dachgeschosses: Familien benötigen heute nicht so viele kleine Einzelzimmer wie früher. Daher lässt sich beispielsweise manches Dachgeschoss in ein durchgehendes Loft verwandeln. Dadurch kommt mehr Licht in den Wohnraum, und die Dachbalken sind optische Hingucker, die den Raum schön strukturieren. Ob als Jugendzimmer oder gemütliches zweites Wohnzimmer – mit einem Wanddurchbruch haben Sie oft mehr vom Dachgeschoss.
  • Stockwerke öffnen: Wenn es die Statik zulässt, kann auch durch das teilweise Entfernen von Zwischendecken eine moderne Raumgestaltung vorgenommen werden. Der offene Blick von der Sitzecke vor dem Kamin bis unter die Dachbalken kann ein völlig neues Raumgefühl entstehen lassen.

Der Wanddurchbruch: So gehen Sie vor

Bevor Sie daran gehen, einen Wanddurchbruch zu planen und umzusetzen, untersuchen Sie die Wand. Die alles entscheidende Frage ist: Handelt es sich um eine tragende Wand oder nicht? Am besten lassen sich die Umbaumöglichkeiten abschätzen, wenn die Baupläne des Hauses vorliegen. Ein Experte kann schnell erkennen, welche Wände statisch tragende Funktion haben und nicht ohne entsprechende Maßnahmen verändert werden können. Wenn Sie tragende Wände entfernen lassen wollen, kommen ganz andere bauliche Herausforderungen auf Sie zu, als wenn Sie eine nichttragende Wand herausbrechen. Oft sind solche grundlegenden Eingriffe in die Bausubstanz genehmigungspflichtig!

Hier finden Sie einige Tipps, wie Sie Hinweise darauf bekommen, ob eine Wand tragend ist oder nicht. Grundsätzlich sollten Sie immer einen Statiker hinzuziehen, um definitiv festzustellen, welche Wand tragend ist. Der Statiker wird auch berechnen, wie Sie gegebenenfalls eine tragende Wand entfernen lassen können und welche Maßnahmen nötig sind, ihre statische Funktion aufrechtzuerhalten. Fehler bei den Umbaumaßnahmen können schwerwiegende Folgen für die Stabilität des gesamten Hauses haben!


Tragend oder nicht? So finden Sie es heraus

  • Material: Trockenbauwände bestehen aus einem Metall- oder Holzständer-System, das mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten verkleidet wird. Trockenbauwände können leicht entfernt werden. Oft kann man schon an der hohlen Resonanz beim Klopfen gegen die Wand hören, dass es sich um eine nicht tragende Leichtbauwand handelt. Achtung, auch in Leichtbauwänden können Versorgungsleitungen für Wasser, Gas oder Strom verlegt sein!
  • Stärke der Wand: Tragende Wände haben eine bestimmte Mindeststärke. Eine Wandstärke von 17,5 Zentimeter oder mehr kann ein Indikator sein, dass die Wand tragend ist. Aber Achtung: Der Umkehrschluss gilt nicht! Ältere Häuser sind nicht nach modernen Vorschriften errichtet, daher kann nur ein Statiker oder Architekt feststellen, ob einen relativ dicke Wand trägt oder nicht.
  • Position der Wand: Tragende Wände ziehen sich durch die Geschosse, sie liegen im Normalfall geschossweise übereinander und leiten die Kräfte nach unten ab. Das lässt sich durch einen Blick auf den Bauplan erkennen. Allerdings können auch nichttragende Wände aus Gründen der Bausymmetrie übereinander gebaut sein. Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel, nur ein Experte kann die Entscheidung fällen.
  • Nicht nur die Wand betrachten: Auch horizontale Elemente können eine tragende Funktion haben! Das gilt beispielsweise für Balken, Stürze, Träger und Stahlstützen.

So geht’s: Nichttragende Wand entfernen

Eine nichttragende Wand können Sie selbst entfernen, wenn Sie handwerklich geschickt sind und die nötigen Sicherheitshinweise berücksichtigen. Lesen Sie hier, welche Arbeitsschritte für den Wanddurchbruch anfallen und was Sie dazu benötigen.

  • Sie stellen eindeutig fest, dass die Wand nichttragend ist (siehe oben) und dass Sie ohne Baugenehmigung Änderungen vornehmen dürfen. Falls doch erforderlich, holen Sie zuallererst die Genehmigung ein.
  • Sie fordern einen Container für den Bauschutt an. Fallen geringere Mengen an, können Sie auch Bauschuttsäcke im Baumarkt erwerben. Sie müssen so aufgestellt werden, dass sie sich vom Entsorgungsfahrzeug gut aufnehmen lassen. Für das Aufstellen von Schuttsäcken auf öffentlichem Grund ist eine Genehmigung erforderlich.
  • Sie suchen nach Strom-, Wasser und Gasleitungen. Dazu greifen Sie auf Bau-, Einrichtungs- und Installationspläne zurück. Steckdosen und Absperrventile im Wandbereich deuten auf Leitungen hin. Auch Zapfstellen in der Nähe des geplanten Durchbruchs können Indikatoren für Leitungen innerhalb der Wand sein. Benutzen Sie ein Leitungssuchgerät. Falls weder die Pläne noch das Leitungssuchgerät eine Leitung anzeigen, können Sie mit dem Wanddurchbruch beginnen.
  • Falls Leitungen in der Wand verlaufen, müssen sie verlegt oder stillgelegt werden. Das sollte auf jeden Fall ein Fachbetrieb übernehmen. Der Abbruch kann erst dann vorgenommen werden, wenn die Verlegung der Leitungen abgeschlossen ist und die ausführende Firma bestätigt hat, dass keine weiteren Leitungen in der Wand verlaufen. Stellen Sie trotzdem vor dem Wanddurchbruch Strom- und Wasserzufuhr ab!
  • Eventuell benötigen Sie auch für eine nichttragende Wand einen Sturz, damit das Gewicht der oberen Etage gleichmäßig auf die übrigen Wände verteilt wird – fragen Sie im Zweifel einen Statiker.
  • Bereiten Sie die Zimmer von beiden Seiten vor: Sie schieben die Möbel weg, decken alles mit Planen ab, schützen Boden und Wände mit Folie oder Isolierplanen. Empfindliche Böden sollten durch große Hartfaserplatten vor herabfallenden Mauerteilen geschützt werden. Sie können auch Staubschutzwände aufstellen und für die Türen Bau-Schleusen anbringen.

Die Maßnahme kann beginnen

Jetzt dürfen Sie den Vorschlaghammer ansetzen! Alternativ benutzen Sie Bohrhammer oder Abrisshammer. Für die feineren Arbeiten nehmen Sie Hammer und Meißel, damit etwa die Abrisskante glatt wird.

  • Beim Abbruch der Wand arbeiten Sie von oben nach unten.
  • Die noch geschlossene Wand überträgt alle Erschütterungen auf das umliegende Mauerwerk. Um diese Belastung gering zu halten, trennen Sie am besten eine Fuge oberhalb und unterhalb der ersten zu entfernenden Steinreihe mit einem großen Winkelschleifer heraus, um die Stützfunktion der Wand zu unterbrechen. Das gilt auch für nichttragende Steinwände.
  • Vorsicht bei Isoliermaterialien: Sollten Sie auf seltsame Stoffe wie zum Beispiel Glaswolle stoßen, unterbrechen Sie sofort die Arbeit. Früher wurden gesundheitsschädigende Materialien wie Glaswolle oder auch Asbest verwendet, die fachgerecht entfernt und entsorgt werden müssen.
  • Wenn Sie Teile der zu durchbrechenden Wand stehen lassen wollen, setzen Sie ebenfalls von beiden Seiten der Mauer einen tiefen Schnitt mit dem Trennschleifer – so bekommen Sie leichter eine gerade Kante hin.
  • Abschließend wird der Wanddurchbruch verputzt. Ist aus zwei Räumen ein großer entstanden, ist jetzt eine gute Gelegenheit, den neuen Raum einheitlich zu tapezieren oder zu streichen

Der Wanddurchbruch zählt zu den gröbsten Arbeiten im DIY-Bereich. Unterschätzen Sie weder den Schmutz, der dabei entsteht, noch die Gefahren, die für Sie und Ihre Helfer bestehen. Schon während Sie den Vorschlaghammer schwingen, können Helfer den Schutt beiseite räumen – natürlich mit ausreichend Sicherheitsabstand zu Ihnen! Liegt die Baustelle in einem oberen Stockwerk, hilft eine Schuttröhre, durch die Sie den Bauschutt in den Container rutschen lassen.

Für Sie und Ihre Helfer ist eine Atemschutzmaske nötig, denn der Wanddurchbruch führt zu großer Staubentwicklung, insbesondere bei Gipswänden. Eine unverzichtbare Schutzbrille schützt vor Stein- und Mörtelbrocken, der Gehörschutz ist vor allem bei der Arbeit mit dem Bohrhammer wichtig. Denken Sie auch an gute Handschuhe und Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, damit Hände und Füße heil bleiben.

Diese Werkzeuge benötigen Sie: Vorschlaghammer, Bohrhammer oder Abrisshammer, Hammer und Meißel, einen großen Trennschleifer sowie Steintrennscheiben.


Tragende Wände entfernen lassen

Wenn Sie tragende Wände entfernen lassen, wird ein Statiker berechnen, welche Stützmaßnahmen dabei nötig sind und wie die Statik nach dem Wanddurchbruch gewahrt wird. Den Experten sollten Sie auch deshalb dringend hinzuziehen, weil Sie dann bezüglich der Haftung auf der sicheren Seite sind. Auch falls Sie das Haus weiterverkaufen, benötigen Sie verlässliche Unterlagen über die Umbaumaßnahmen. Nicht dokumentierte Umbaumaßnahmen können sogar den Wert Ihrer Immobilie reduzieren.

Wenn Sie tragende Wände entfernen lassen, sollten Sie einen Fachbetrieb beauftragen. Die Maurer und Sanierer verstehen die Vorgaben des Statikers und setzen sie korrekt um. Der Wunsch vieler Neueigentümer, möglichst viel selbst zu machen, ist zwar verständlich. Aber wenn es um die Statik des gesamten Hauses geht, sollten Sie kein Risiko eingehen, sondern besser Profis beauftragen.

Um die tragende Wand statisch zu ersetzen, wird über dem Wanddurchbruch ein Sturz eingebaut. Je nach Wand und Deckenlast, die auf der Wand liegt, muss während Arbeiten die Decke zusätzlich abgestützt werden. Besondere Anforderungen ergeben sich, wenn Sie den Wanddurchbruch in einer Außenwand durchführen lassen wollen.

Ausgehend von den Berechnungen des Statikers wird nach dem Wanddurchbruch ein Stahlträger eingezogen. Der Statiker wird vorgeben, welche Maße und Qualität er haben muss und wie er positioniert wird. Er wird außerdem berechnen, wie groß die Aufleger für den Stahlträger sein sollen und in welcher Qualität sie ausgeführt werden müssen. Manchmal muss auch die Mauer unter dem Aufleger weiter verstärkt werden.


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Eingriffe in die tragende Struktur eines Hauses gehören zu den tiefergreifenderen Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen. Am besten planen Sie sie gleich zu Beginn aller anstehenden Maßnahmen unter fachlicher Beratung. Die zu erwartenden Renovierungskosten können nur anhand konkreter Gegebenheiten und Planungen eingeschätzt werden.

Klar ist jedoch: Die Sanierung einer Bestandsimmobilie samt Umbau macht den größten Kostenanteil nach der Übernahme des Objekts aus. Zugleich bringt sie aber auch eine Wertverbesserung mit sich. Um den Kostenaufwand budgetär leichter zu bewältigen, bietet die Bausparkasse Schwäbisch Hall unterschiedliche Finanzierungsmodelle von der Sofortfinanzierung über den Modernisierungskredit bis zum Aufbau von Eigenkapital für spätere Renovierungen. Die Heimatexperten erstellen gemeinsam mit Ihnen gern das für Sie passende individuelle Finanzierungskonzept.

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