Wärmedämmung im Detail

  • Innen- und Außendämmung
  • Funktionsweise und Techniken
  • Staatliche Förderung

Mit einer effizienten Wärmedämmung können Sie Energiekosten senken, die Umwelt schonen und gleichzeitig für ein behagliches Wohngefühl sorgen. Bei Neu- und Umbauten ist eine effiziente Wärmedämmung gesetzlich vorgeschrieben. Erfahren Sie hier mehr über Techniken, Materialien, gesetzliche Hintergründe und Fördermöglichkeiten.  

Was ist Wärmedämmung?

Wärmedämmung, auch Wärmeisolierung oder Wärmeisolation genannt, beschreibt die Reduzierung des Durchganges von Wärmeenergie durch eine Hülle, um einen Gegenstand oder Raum gegen Abkühlung oder Erwärmung abzuschirmen. Im Bauwesen findet Wärmedämmung in erster Linie Anwendung, um die Auskühlung beheizter Gebäude abzumildern

Die Historie der Wärmedämmung als energetische Sanierungsmaßnahme begann in den 1960er Jahren: Heizöl wurde erschwinglich und verbreitete sich rasch in den zahlreich neu errichteten Häusern und Wohnungen, jedoch ohne Umweltaspekte im Fokus zu haben.

Im Rahmen der Ölkrisen 1973/74 und 1979/80 verteuerte sich der
Ölpreis stark. Über die Zeit entwickelte sich – neben Gründen der
Kosteneinsparung – durch Diskurse um ein nachhaltiges Leben und die
Klimadebatte ein Verständnis über die Notwendigkeit von energetischen
Maßnahmen wie der Wärmedämmung.

Das Bewusstsein über Energieeinsparmaßnahmen in der Baubranche fand Eingang in Gesetze. 1977 wurde die erste Wärmeschutzverordnung für Gebäude bindend. 2002 wurde sie durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst. Seit 2020 ist
das Gebäudeenergiegesetz rechtskräftig. Bei Neu- und Umbauten sind wärmedämmende Maßnahmen heute gesetzlich vorgeschrieben


Maßnahmen der Wärmedämmung kombinieren

Es bietet sich an, größere Arbeiten zur Wärmedämmung dann erledigen zu lassen, wenn ohnehin Sanierungsmaßnahmen anstehen. „Einzelmaßnahmen sind meist weniger effektiv und können auch zu Problemen wie etwa Schimmelbildung führen“, erklärt Thomas Penningh, Präsident des Verbandes Privater Bauherren (VPB). Er rät dazu, vorab mit einem Fachmann zu klären, welche Maßnahmen für das jeweilige Gebäude sinnvoll erscheinen – zum Beispiel zu prüfen, ob statt einer Außen- nicht eine günstigere Innendämmung des Hauses möglich ist.


Wärmedämmung: Außen- oder Innendämmung?

Im Bereich der Wärmedämmung wird grundsätzlich zwischen Außen- und Innendämmung unterschieden. Vor allem bei Altbauten und denkmalgeschützten Häusern ist eine Fassadenänderung häufig nicht erwünscht oder sogar verboten. 

VPB-Präsident Penningh sagt dazu: „In diesem Fall kann man auch von innen dämmen. Allerdings geht dadurch meist ein Teil der Wohnfläche verloren, und es besteht die Gefahr, dass Schimmel entsteht. Außerdem ist die Dämmwirkung etwas geringer. Dafür liegen die Kosten mit etwa 60 bis 80 Euro pro Quadratmeter niedriger als bei der Außendämmung, für die man ab 120 Euro/Quadratmeter einkalkulieren muss.“

Eine Wärmedämmung von innen ist auch bei Teilmaßnahmen möglich, etwa wenn nur das Dach saniert werden soll. Allein durch den obersten Hausteil können ohne eine entsprechende Wärmedämmung bis zu 20 Prozent Energie entweichen. „Bei einem nicht ausgebauten Dachboden reicht es, wenn man die obere Geschossdecke dämmt. Als halbwegs geschickter Heimwerker kann man das auch selbst machen“, so Penningh.

„Handelt es sich um eine Dachwohnung, bietet sich dagegen eine Außendämmung an, etwa die sogenannte Aufsparrendämmung. Dies minimiert das Wärmebrückenrisiko und verringert – im Gegensatz zur Innendämmung – auch nicht die Raumhöhe. Diese Arbeiten sollte aber nur ein Fachmann durchführen.“


So funktioniert ein Wärmedämmverbundsystem

Als Material wird bei der Wärmedämmung häufig Polystyrol (auch bekannt unter dem Handelsnamen Styropor) verwendet. In seinen unterschiedlichen Formen gehört es ebenso wie das artverwandte Polyurethan noch immer zu den am häufigsten verwendeten Dämmmaterialien

Polystyrol ist preisgünstig, leicht zu verarbeiten und hilft wegen seiner guten Dämmfähigkeit enorm dabei, Energie zu sparen.

Am häufigsten verarbeitet werden:

  • expandiertes Polystyrol (EPS, das „klassische“ Styropor) 
  • Polystyrol-Extruderschaumstoff (XPS), wird vor allem an feuchtigkeitsanfälligen Stellen eingesetzt 
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR)


Bei einer Außendämmung am Haus werden Materialien meist im sogenannten Wärmedämmverbundsystem (WDVS) eingesetzt. Ein solches System besteht aus mehreren Schichten. Die Styroporplatten werden dabei direkt auf die vorbearbeitete Fassade geklebt und oft zusätzlich verdübelt. Danach werden die Platten mit einer Schicht versehen, die Risse im Putz verhindern soll. Darauf folgen eine weitere Zwischenbeschichtung und schließlich der Außenputz.

Alternativ zu Polystyrol und Polyurethan kann man in Wärmedämmverbundsystemen auch natürliche Dämmstoffe wie Holzfasern, Mineralwolle, Kork und Hanf verwenden.


Wärmedämmung: Wie gut sind natürliche Materialien?

Polystyrol und Polyurethan werden auf Basis von Erdöl hergestellt. Thomas Penningh gibt deshalb zu bedenken: „Die Wärmedämmung neuer Häuser bzw. die Nachrüstung ungedämmter Gebäude ist ein sinnvoller Beitrag zur Energieeinsparung. Wenn dazu aber fossile Grundstoffe verwendet werden und bei der Produktion der Dämmstoffe viel Energie verbraucht wird, schmälert das den ökologischen Nutzen enorm.“

Penningh verweist auf bereits gängige Alternativen zur Polystyrol-Dämmung: „Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen, etwa Holzfaserdämmplatten, erfüllen ihren Zweck ebenso gut wie herkömmliche Dämmstoffe.“  


Alternative Dämmtechniken der Wärmeisolierung

Auch bei den Techniken zur Wärmedämmung gibt es durchaus Alternativen zum Verbundsystem:

„Hinterlüftete Vorhangfassade“:
„Vorgehängte“ Fassaden – eine Art von Fassadendämmung – bestehen aus einer Metall- oder Holzkonstruktion, deren Zwischenräume meist mit Glas- oder Steinwolle gefüllt sind. Ähnlich wie ein Vorhang werden sie mit etwas Abstand zur tragenden Gebäudeebene angebracht. In dem Zwischenraum kann Luft zirkulieren, was die Feuchtigkeitsabfuhr verbessert.

Kerndämmung
Hier wird Dämmstoff direkt in ein zweischaliges Mauerwerk eingelassen. Die Außenschale wird in einem Abstand von etwa 15 Zentimetern zur tragenden Wand hochgezogen und mit Dämmmaterial aufgefüllt. Granulate sind ebenso möglich wie Platten und Dämmschaum. Bei der Konstruktion muss man darauf achten, dass das ausgewählte Material keine Feuchtigkeit aufnehmen kann.

Perlitgefüllte Dämmziegel
Eine gute Wärmedämmung erreicht man in Neubauten auch mit perlitgefüllten Dämmziegeln. Perlit ist ein Vulkangestein mit hoher Dämmwirkung und wird oft beim Bau von Passivhäusern verwendet. Weil die Ziegel etwas weniger belastbar sind als Vollziegel, eignen sie sich eher für Ein- oder Zweifamilienhäuser.    


Vakuum-Paneele

Die Abkürzung VIP steht im Bereich der Wärmedämmung für Vakuum-Isolierpaneele – hocheffiziente Dämmplatten, die oft aus Kieselsäurepulver bestehen. Die entsprechenden Paneele sind extrem dünn und trotzdem dämmstark. 

Sie erreichen ihre hervorragende Dämmeigenschaft durch ein eingeschlossenes Vakuum (bereits kleine Beschädigungen der Hülle machen die Platte deswegen wirkungslos). Wie die meisten ökologisch-natürlichen Materialien sind sie teurer als konventionelle Dämmstoffe.  


Sanierungsplan mit fachmännischer Hilfe

Bei der Sanierung von Bestandsbauten empfiehlt Penningh, vorher mit einem Profi einen detaillierten Sanierungsplan zu erstellen. „Jedes Gebäude muss thermisch als Gesamtgebilde gesehen werden“, sagt er. „Ein professionell ausgearbeiteter Sanierungsplan legt fest, welche Maßnahmen zur Wärmedämmung sinnvoll sind. Außerdem kann man anhand dieses Konzeptes die Arbeiten in einzelne Etappen aufteilen. Das erleichtert die Finanzierung.“ 

Ein Fachmann kennt auch die genauen Bestimmungen des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG). In diesem Gesetz steckt die frühere Energieeinsparverordnung und regelt unter anderem den Einsatz von Heiz- und Klimatechnik, die Reduzierung von Wärmebrücken sowie die Wärmestandards von Immobilien.  

Experten der Verbraucherzentrale warnen allerdings: „Wer sich beim Bau eines Hauses mit den Mindeststandards des GEGs begnügt, läuft Gefahr, dass die neue Immobilie bereits kurz nach Fertigstellung bautechnisch überholt ist. Deshalb empfiehlt es sich, nach möglichst hohen Effizienzstandards zu bauen.“  


Unterschiedliche Dämm-Standards

Bei den Effizienzstandards ist häufig vom sogenannten Energiesparhaus die Rede. Der Begriff bezeichnet mehrere Gebäudetypen mit unterschiedlichen Einsparpotenzialen:
Niedrigenergiehäuser
verbrauchen weniger Energie, als die EnEV vorgibt.

Passivhäuser müssen auch aufgrund ihrer perfekten Dämmung so gut wie gar nicht mehr beheizt werden. Null-Energie-Häuser verfügen über eine vollkommen unabhängige Energieversorgung, zum Beispiel mittels einer Solaranlage oder per Wärmerückgewinnungstechnik.

Um effektiv Energie zu sparen, sollte man bei der Wärmedämmung auch auf die Auswahl des Dämmmaterials achten.

Die Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) des jeweiligen Materials gibt in Form einer dreistelligen Zahl Auskunft über die Dämmqualität. Dabei gilt: je kleiner die Zahl, desto besser die Dämmeigenschaften.

Eine umfassende Wärmedämmung, die über die Vorgaben hinausgeht, verursacht natürlich Mehrkosten. Diese relativieren sich aber durch die künftige Senkung der Heizkosten. Außerdem gibt es sowohl bei Neubauten als auch bei der Sanierung von älteren Gebäuden diverse staatliche Fördermöglichkeiten.  


Wärmedämmung wird vom Staat gefördert

Die öffentlich-rechtliche KfW-Förderbank (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat eigene Energiestandards definiert: das „KfW-Energieeffizienzhaus“ mit unterschiedlichen Zielwerten. Auf Grundlage des Energiebedarfs eines Hauses im Vergleich zu den EnEV-Anforderungen erhalten die unterschiedlichen Effizienztypen eine Kennzahl, etwa den KfW-Effizienzhausstandard 55, 40 oder 40 Plus. Je kleiner die Zahl ist, umso mehr Fördergelder können fließen.

Auch Einzelmaßnahmen zur Wärmedämmung unterstützt die KfW mit günstigen Kreditbedingungen oder Tilgungszuschüssen, etwa wenn Sie im Rahmen einer energieeffizienten Sanierung neue Fenster in Ihr Haus einbauen oder die Heizung erneuern. Weitere Informationen über staatliche Fördermöglichkeiten finden Sie unter www.kfw.de.


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