Autarkes Haus: So machen Sie sich unabhängiger
Ein autarkes Haus ist für manche eine Idealvorstellung. Der Weg dorthin hat jedoch technische, rechtliche und finanzielle Grenzen. Welche Formen der Autarkie möglich sind und worauf Sie achten sollten.
Ein autarkes Haus ist für manche eine Idealvorstellung. Der Weg dorthin hat jedoch technische, rechtliche und finanzielle Grenzen. Welche Formen der Autarkie möglich sind und worauf Sie achten sollten.
Aktualisiert am 30.09.2026
Artikel erstellt von
Joachim Horlacher
Schwäbisch Hall-Redaktion
Autark zu wohnen bedeutet, möglichst unabhängig von Leistungen von außen zu sein. Bei einem Haus geht es dabei meist um die eigene Versorgung mit Strom und Wärme. Wer noch autarker sein möchte, bei dem kommen noch Wasser, Abwasser und Lebensmittel dazu.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Eigenverbrauch und Autarkiegrad. Der Eigenverbrauch beschreibt, wie viel selbst erzeugter Strom direkt im Haus genutzt wird. Der Autarkiegrad zeigt, welchen Anteil des gesamten Strombedarfs das Haus selbst deckt.
Eine Photovoltaikanlage macht ein Haus deshalb nicht automatisch vollständig stromautark. Sie kann den Strombezug aus dem öffentlichen Netz verringern. Im Winter oder bei längeren Schlechtwetterperioden wird in vielen Fällen trotzdem zusätzlicher Strom nötig sein.
Die Verbraucherzentrale nennt für ein typisches Einfamilienhaus mit Photovoltaikanlage Autarkiegrade von etwa 25 bis 30 Prozent. Mit Batteriespeicher können unter bestimmten Voraussetzungen bis zu rund 70 Prozent erreicht werden. Das sind aber Orientierungswerte und keine Garantie für jedes Gebäude.
Wie viel Autarkie möglich ist, hängt vom Gebäude, vom Standort, vom Verbrauch und vom gewünschten Versorgungskonzept ab. Ein Haus kann seinen Strombedarf über das Jahr weitgehend selbst decken und trotzdem zeitweise Strom aus dem Netz benötigen.
Vor der Planung sollten Sie klären:
Besonders wichtig sind drei Faktoren:
Die folgende Tabelle ist ein redaktionelles Orientierungsmodell. Die Autarkie-Level 0 bis 5 sind keine normierte oder gesetzlich anerkannte Bewertung.
| Autarkie-Level | Strom & Wärme | Wasser & Abwasser | Lebensmittel |
|---|---|---|---|
| 5 – sehr hoher Eigenversorgungsanteil | Photovoltaik, Speicher und zusätzliche Reserve; Wärmepumpe oder Solarthermie mit ergänzendem Heizsystem | Eigene Wassergewinnung und Abwasserlösung, soweit zulässig | Weitgehende Selbstversorgung mit ausreichend Fläche und Zeit |
| 4 – hoher Eigenversorgungsanteil | Photovoltaik und eventuell Batteriespeicher; ergänzende Energiequelle für die Wärme | Regenwasserspeicher oder Brunnen für bestimmte Zwecke | Umfangreicher Anbau |
| 3 – teilweise Eigenversorgung | Photovoltaik; Netzbezug und ergänzende Wärmeversorgung bleiben erforderlich | Regentonne oder andere begrenzte Nutzung | Eigener Anbau und Vorratshaltung |
| 2 – einzelne Maßnahmen | Kleine PV-Anlage (zum Beispiel Balkonkraftwerk), Zukauf notwendig | Kleine Regentonne zum Gießen | Kräuter sowie einzelne Obst- und Gemüsesorten |
| 1 – geringerer Verbrauch | Stromsparende Geräte und angepasste Heiztemperatur | Bewusster Umgang mit Wasser | Minimale Ergänzung (z. B. Küchenkräuter), mehr Wiederverwertung |
| 0 – externe Versorgung | Strom und Wärme aus öffentlichen Netzen oder von externen Energieträgern | Öffentliche Wasserver- und Abwasserentsorgung | Komplett externe Versorgung (zum Beispiel Supermarkt) |
Die eigene Stromversorgung steht bei einem autarken Haus meist im Mittelpunkt. Den Strombezug aus dem Netz können Sie unter anderem mit diesen Bausteinen verringern:
Eine Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher macht ein Haus nicht automatisch unabhängig vom Stromnetz. Der Speicher kann Solarstrom vom Tag in die Abend- und Nachtstunden verschieben. Doch bei längeren Schlechtwetterperioden reicht die gespeicherte Energie möglicherweise nicht aus. Und im Winter erzeugen Photovoltaikanlagen meist weniger Strom, während der Strombedarf für eine Wärmepumpe steigen kann.
Wie groß die Anlage sein muss, hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:
👉 Überschüssiger Strom kann unter Umständen auch in das öffentliche Netz eingespeist und zu einem späteren Zeitpunkt wieder bezogen oder verrechnet werden.
Mögliche Hindernisse:
Wärmepumpen sind dann autark, wenn die benötigte Stromzufuhr ebenfalls aus autarken Quellen kommt. (Quelle: Wolf GmbH) Eine Ölheizung, Pelletheizung oder ein Holzofen kann mit einem vorhandenen Brennstoffvorrat eine gewisse Zeit weiterarbeiten. Eine dauerhafte Unabhängigkeit von externen Lieferungen ist damit aber nicht garantiert.
Für eine möglichst weitgehende Eigenversorgung kommen vor allem Solarthermie und Wärmepumpen infrage. Eine Wärmepumpe benötigt Strom. Soll dieser vollständig aus eigener Erzeugung kommen, müssen Photovoltaikanlage, Speicher und Wärmebedarf zusammenpassen.
Das ist im Winter besonders anspruchsvoll, denn: Photovoltaikanlagen erzeugen im Sommer am meisten Strom, während der Wärmebedarf im Winter steigt.
Solarthermie kann Sonnenenergie direkt in Wärme umwandeln und die Warmwasserbereitung oder – je nach Anlage und Gebäude – die Heizung unterstützen. Doch für längere sonnenarme Zeiten ist in der Regel ein ergänzendes Heizsystem erforderlich.
Eine weitgehende Wasserautarkie setzt voraus, dass ausreichend Wasser vorhanden ist, die Wasserqualität gesichert wird und das Abwasser zulässig behandelt oder abgeleitet werden kann.
Regenwasser lässt sich zum Beispiel für die Gartenbewässerung nutzen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch die Nutzung für die Toilettenspülung oder die Waschmaschine möglich. Regenwasser ist jedoch kein Trinkwasser. Das Umweltbundesamt weist auf getrennte beziehungsweise gesicherte Leitungen, eine eindeutige Kennzeichnung und regelmäßige Wartung hin.
Die Nutzung von Regenwasser ist in Deutschland nur zu bestimmten Zwecken gestattet. (Quelle: stock.adobe.com/Hamik) Für Regenwassernutzungsanlagen gilt:
Auch Brunnenwasser ist nicht automatisch Trinkwasser. Wenn es im Haushalt als Trinkwasser genutzt werden soll, muss es den Anforderungen der Trinkwasserverordnung entsprechen. Die Qualität von Wasser aus einem eigenen Brunnen kann je nach Standort unterschiedlich sein.
Eine eigene Abwasserentsorgung ist ebenfalls nicht überall möglich. Für das Versickern oder Einleiten von vorgereinigtem Abwasser aus einer Kleinkläranlage kann eine wasserrechtliche Erlaubnis erforderlich sein. Diese wird bei der zuständigen Wasserbehörde beantragt.
Ob ein Grundstück an die öffentliche Wasser- und Abwasserversorgung angeschlossen werden muss, hängt unter anderem von Landesrecht, kommunalen Satzungen und den örtlichen Verhältnissen ab. Lassen Sie dies vor dem Kauf eines Grundstücks oder vor der Planung einer eigenen Wasserversorgung prüfen.
Ein Haus mit eigener Energieerzeugung kann seinen Bezug aus öffentlichen Netzen verringern. Welche Vorteile tatsächlich entstehen, hängt von der technischen Ausführung, der Nutzung und den laufenden Kosten ab.
Ein weitgehend selbstversorgtes Haus hat auch Nachteile. Wie stark sie ins Gewicht fallen, hängt vom Versorgungskonzept ab.
Was autarkes Wohnen kostet, hängt vom gewünschten Autarkiegrad, vom Zustand des Hauses, von der Bauweise und vom Standort ab.
Eine Bestandsimmobilie nachzurüsten kann andere Kosten verursachen als ein Neubau, bei dem die Haustechnik von Anfang an geplant wird. Für die Gesamtkosten eines autarken Hauses gibt es keine belastbaren, auf alle Gebäude übertragbaren Daten. Die Kosten müssen für das konkrete Vorhaben berechnet werden.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
Das Umweltbundesamt nennt für eine Regenwassernutzungsanlage mit Speicher, Rohrleitungen, Filtern und Pumpen – abhängig von Speichergröße und Eigenleistung – Baukosten von etwa 2.500 bis 5.000 Euro. Bei Wartung durch ein Unternehmen werden dort laufende Kosten von ungefähr 100 Euro pro Jahr genannt. Die Angaben beziehen sich nur auf eine Regenwassernutzungsanlage und nicht auf ein vollständig autarkes Haus.
Auch bei Photovoltaik und Batteriespeichern hängen die Preise unter anderem von Größe, Leistung, Montage, Elektroinstallation und gewünschter Notstromfunktion ab. Eine pauschale Angabe wie „1.200 Euro pro Kilowatt“ ist deshalb nicht auf jedes Vorhaben übertragbar. Bei Speichern muss außerdem zwischen Leistung in Kilowatt (kW) und Speicherkapazität in Kilowattstunden (kWh) unterschieden werden.
Im Neubau lässt sich am leichtesten ein hohes Autarkie-Level beim Bau eines energieeffizientes Hauses erreichen. Ein Plusenergiehaus kostet in Fertigbauweise derzeit zum Beispiel 2.900 bis 3.200 Euro pro Quadratmeter. Produziert das Haus mehr Energie als es verbraucht, muss der Überschuss ins Stromnetz eingespeist werden. Wer diesen Verlust an Autarkie nicht will, muss in Stromspeichertechnik investieren.
Um im Bereich Stromversorgung autark zu werden, ist eine Photovoltaikanlage am sinnvollsten. Allerdings braucht es dafür eine große Fläche. Konkurriert die PV-Anlage zusätzlich mit Solarthermie zur Wärmegewinnung, kann es eng werden auf dem Dach. Sind keine Ausweichflächen vorhanden, muss Strom zugekauft oder zusätzlich in Windkraft investiert werden.
100-prozentige Autarkie sind derzeit in Deutschland bei einem Haus nicht zur erreichen. Selbst wer es schafft, sich in den Bereichen Strom und Heizung unabhängig zu machen, es bleibt der Anschlusszwang an die kommunale Wasserversorgung.
Wie für jeden Neubau braucht auch ein autarkes Haus eine Baugenehmigung. Zusätzlich sind für den Brunnenbau und die Nutzung einer Kleinkläranlage, das Errichten einer Kleinwindanlage Genehmigungen erforderlich. Liegt das Haus abseits erschlossener Gebiete (zum Beispiel ein Tiny House), bleibt nur der Versuch, eine Ausnahmegenehmigung für den Anschluss an die Kanalisation zu bekommen. Diese wird allerdings nur in seltenen Ausnahmefällen erteilt.
Je größer der Autarkie-Level in Sachen Stromerzeugung über Wind- und/oder Solarenergie, desto weniger wird das autarke Haus direkt von einem Stromausfall betroffen sein. Allerdings lebt ein autarker Hauseigentümer nicht allein auf der Welt. Wer sich extern mit Lebensmitteln versorgt und nicht im zuhause im Arbeitszimmer arbeitet, wird einen längeren Stromausfall in der Umgebung trotz Stromautarkie zu spüren bekommen.
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